Mittwoch, 21. August 2019

21.08.19 - Fortaleza


Klar, nur weil ich müde bin, heißt das noch lange nicht, dass ich tief und fest schlafe. Ich bin also gestern um acht zum Rodoviaria gefahren und um 9 in meinen Bus gestiegen. Leito ist vielleicht ein bisschen flacher und pro Reihe sind nur drei Sitze. Und man bekommt eine Decke. Von den vietnamesischen Liegebussen ist das aber noch weit entfernt.
Wirklich lang und fest hab ich nicht geschlafen, bin immer wieder aufgewacht. Hab meinen eigenen Schlafsack genommen, aber der ist halt echt viel zu warm. Und natürlich, Nachtbusse, die früh um 6 ankommen sollen, tun dies schon kurz nach 5! So purzelte ich also müde aus meinem Leito und suchte mir erst mal noch ein Eckchen im Busbahnhof. An diesem Ort war ich schon mal, vor 9 Jahren, die Uhrzeit könnte etwa dieselbe gewesen sein… Bevor ich zum Hostel startete, wollte ich mir gleich mein Ticket für die Weiterfahrt kaufen. Mein letztes Busunternehmen hat ein riesiges Office dort, also stellte ich mich an, um zu erfahren, Tickets gibt’s erst ab halb 7 – am Ticketstand, nicht im Office. Was machen die da dann früh um 5??? Gibt’s so viele Reklamationen oder was???
Ein anderer Ticketschalter hatte schon um 6 offen und auch Tickets nach Belem, also kaufte ich bei der Konkurrenz. Leider gabs kein Leito, nur Execlusivo, auch recht bequeme Sitze. Das wird eh eine unbequem lange Fahrt, aber erst am Freitag… Dann kaufte ich mir noch einen Kaffee und ein Pao do Queijo und ließ mich zum Hostel chauffieren, wo ich kurz nach 7 eintraf. Das Refugio ist ein klasse Hostel in einer alten Villa mit Hinterhof, in deutscher Hand, das merkt man mal wieder an den Details. Es ging undeutsch los, ich durfte nämlich trotz dieser frühen Zeit schon in mein Zimmer, wo ich erst nochmal zwei Stunden im Bett verbrachte (keine AC, nur Deckenventilator). Dann gabs noch nen Kaffee und ein Brötchen, das Frühstücksbuffet kann hier mit manch einem einfachen deutschen Hotel mithalten!
Ich gammelte noch ein wenig vor mich hin, las ein paar Info-Broschüren und fand den deutschen Lonely Planet – Südamerika für wenig Geld. Den hab ich (in alter Version) auch zu Hause, so konnte ich nochmal ein wenig über Französisch Guyana, Surinam und Guyana nachlesen, wo ich bald landen werde (das sind die drei kleinen Länderchen zwischen Brasilien und Venezuela, ganz im Nordosten des Kontinents). Wird wohl ein wenig abenteuerlicher da oben…
Gegen viertel zwölf lief ich mal völlig planlos los. Grobe Richtung Strand. Da ich mich zu erinnern glaubte, dass der Strand dann im Norden sein sollte, lief ich genau dorthin. Naja, leichte Links-Rechts-Schwäche eben… Es  ging die Straße lang, die Gegend wurde nicht wirklich schöner, immerhin, rechts von mir Meer. Dann kam auch was Strandähnliches, aber völlig verlassen und nicht, was ich erwartet hatte. Nee, hier wollte ich nicht bleiben, war mir zu heikel und auch nicht schön. Immerhin, auf der anderen Straßenseite fuhren Busse, es konnte nicht schlimmer werden. Also rein in den nächsten, auf dem Centro stand und kurz darauf war ich wieder zurück und ein bisschen weiter südlich. Ich lief wieder Richtung Küste und siehe da: Es wurde Strand! Stadtstrand zwar, aber doch ein sehr schöner und sauberer.
Erstmal suchte ich mir ein Plätzchen, um was zu essen. Leider entdeckte ich keinen Açai, also gabs Maracujasaft und Bolinhos de Bacalhau. Mist, vergessen „Ohne Zucker“ zu bestellen… Danach suchte ich mir ein schattiges Plätzchen unter einer Palme am Strand, wo ich etwas las. Leider war der Sand in Kombination mit ziemlich starkem Wind ziemlich mies, immer wieder gabs ne nadelähnliche Ladung auf mich drauf… Irgendwann flüchtete ich näher ans Meer, wo der Sand etwas feucht und damit fester war.

Viel los war nicht, wenig Touristen (die meisten sind halt an den bekannten Stränden außenrum) und die Einheimischen kamen erst später. Dann aber kamen in meine Ecke ziemlich viele „Schwimmer“ und solche die es werden wollten. Ganz viele hatten ein komisches Teil dabei, wer meine Beschreibung erkennt, möge mich aufklären… Vielleicht 60cm lang, 10cm Durchmesser aus Schaumstoff, es wurde mit einem Gurt um den Bauch befestigt und schwamm dann vielleicht 2m hinter den Schwimmern her… Eine Selbstrettungsanlage?!? 

Keine Ahnung, hab ich noch nie gesehen und hier hatten es echt viele. Einige haben dann eine Art Duathlon gemacht, sie schwammen und joggten dann ne Runde (mit dem Teil unterm Arm sah es jetzt nach Baywatch aus…) Also, wer das Ding erkennt, bitte erklären, ich will nicht dumm sterben!

Gegen fünf hatte ich genug vom faul Rumliegen und lief noch ein Stück weiter den Strand entlang. Und es tauchten immer mehr Strandlokale auf. Ich hatte aber was vom Emporio Delitalia gelesen, wo es recht gute Pizza geben sollte. Das entpuppte sich dann als ein großer, edler Supermarkt, in dem es viele italienische (und europäische) Produkte gab. Neben Parmesan (10€ das Stück) und Gorgonzola viele Gewürze, frisch zubereitete fertige Sachen, eine sehr edle Weinabteilung und auch Lindt-Schokolade (nein, ich bin nicht schwach geworden). Nur kaufte ich für morgen Ricotta und passierte Tomaten, dann werd ich wieder mal kochen. Ach ja, Obst und Gemüse gabs auch sehr vieles und sehr schönes, leider fast alles in Plastik und Styropor (einzelne Paprika in Plastik…).
Nebenan sind ein italienisches Bistro und darüber die Holzofenpizzeria. Da die erst um sechs aufmachte, überbrückte ich die zwanzig Minuten bis dahin mit einem Cappuccino (der war nicht soo der Burner). Dann gabs ne Pizza mit gutem Mozzarella und geröstetem Knoblauch. Lecker, nur leider etwas weich vom Boden her. Hier wurde mir wieder jedes Stück einzeln auf den Teller gelegt, immer wenn eines aufgegessen war, sprang meine Kellnerin herbei und packte mir das nächste drauf… Hier bin ich übrigens fast schwach geworden, es stand Erdinger auf der Karte ;-) Für nur 6€, verglichen mit Panama wäre es ein Schnäppchen geworden. Aber vermutlich hätten sie es nicht einschenken können…
Gesättigt fuhr ich mit einem Uber zurück zum Hostel. Dort war schon im Vorgarten die Hölle los, in meinem Zimmer noch mehr. Sieht aus, als wäre ich mitten in eine Klassenfahrt geraten, in meinem Zimmer hatte es gefühlte 50°C, die postpubertierenden kleinen Schnicksen waren sich gerade am Stylen und der Fön lief auf Hochtouren. Zum Glück waren sie so gut wie fertig (der Rest stand ja auch schon im Vorgarten, bereit zum Abmarsch). Ich hab doch Ferien!!! Als sie weg waren, sorgte ich erstmal für Durchzug, um Haarspray und Deodubel zu vertreiben… Dann ging ich in Ruhe duschen und sorgte mit meinen Handtüchern schon mal für etwas Privatsphäre in meinem Bett ;-)
Jetzt sitze ich unten draußen, es geht ein angenehmer Wind und die verbliebenen Hostelbewohner sind ganz ruhig und gechillt. Morgen bleibe ich noch hier, Freitag geht’s dann auf eine etwas(…) längere Busfahrt.


Dienstag, 20. August 2019

20.08.19 - Buggy fahren - nix für kleine Kinder!


In meinem Dorm traf ich gestern noch auf zwei nette Franzosen und wir quatschten noch etwas. Die AC war immerhin auf fairen 25°, trotzdem brauchte ich nachts noch meine Hängematte als zusätzliche Decke und ab 5 lag ich trotz Hustensaft hustend wach…
Um halb 8 stand ich auf, packte meine Sachen und stellte meinen Rucksack ab. Dann gabs ein schnelles (tolles) Frühstück. Überpünktlich wurde ich schon kurz vor halb neun zur heutigen Tour abgeholt. Mich erwartete Flavio mit seinem gelben Buggy. Wir sammelten noch eine Argentinierin, Silvina, und fünf Brasilianer ein (es waren aber zwei Buggies unterwegs). Dann gings Richtung Norden, wo wir im Centro noch Ro, eine weitere Brasilianerin abholten. Somit saßen wir drei Mädels hinten auf der Rückbank im Fahrtwind und hatten unseren Spaß.

Es ging raus aus der Stadt und gefühlt waren nur noch Buggies unterwegs. Nach kurzer Zeit ging an den Strand, wo wir die ersten schwungvollen Kurven nahmen (im Nachhinein war das mal noch gar nix…). 

Es wurden die ersten Fotos gemacht und weiter gings in die Dünen. Dort gabs erstmal noch einen Fotostopp, es erinnerte mich an Lençois Marenhensis, die Sanddünen, gar nicht so weit von hier, wo ich vor neun Jahren war. 

(ganz gut geworden, leider aber nicht wie geplant mit der Lagune im Hintergrund...)

Und ähnlich touristisch überlaufen. Danach gabs die ersten Emociones, da werden die Dünen dann so genommen, dass sich echte Emotionen zeigen ;-) Man glaubt echt, das Ding muss jeden Moment umkippen, aber irgendwie bleibt es auf den Rädern… Leider kann ich hier keine Videos anfügen und Facebook, Instagram und WhatsApp mögen das Dateiformat meiner Kamera nicht. Falls mir hier jemand weiterhelfen kann, nur zu, dann gibt’s das Video… Aber das wirkt leider alles nicht so krass wie es wirklich war.

Irgendwie schafften wir es also, zwar laut zu schreien, aber gleichzeitig nicht umzukippen (passenderweise liefen dazu Lieder wie „We will rock you“ oder (warum nur?) „No woman no cry“… Kurz gesagt, die Dinger verpesten zwar die Umwelt in unglaublichem Maße, aber das musste einfach mal sein, macht echt sauviel Spaß! Es ging immer weiter durch Dünen, bergauf, bergab und zwischendurch am Strand entlang.

Und wenn man dann ganz relaxed war, kam garantiert eine Abzweigung, die Flavio natürlich extra scharf nahm…

Zwischendurch gabs ein paar Stopps an Lagunen. Überall konnte man natürlich diverse Getränke erwerben, teils auf Stühlen im Wasser sitzend. Beim ersten stellten Ro und ich fest, dass wir nicht nur das exakt gleiche Handtuch haben, sondern auch noch beide Sportlehrer sind. Das wurde gleich mit einem Bier begossen.
Zweimal gabs auch einen Badestopp am Meer. Man konnte sich auch noch diverse Emociones dazubuchen. So gab es eine Zipline, die im Wasser endete und ein paar andere über eine Lagune. Darauf verzichtete ich, doch schon zu oft gemacht… Ich entschied mich für eine coole steile Wasserrutsche mit dem Namen Kamikaze, bei der man auf dem Bauch auf einem Board liegend in die Lagune geschossen wurde. Oder besser gesagt auf die Lagune. 

Hochlaufen musste man auch nicht, da gab es einen Lift. Im Anschluss gabs einen Ananas-Caipi.
Am frühen Nachmittag hielten wir zum Mittagessen, für uns gabs nur ein paar Pommes. Hunger hatten wir alle nicht wirklich. 

Gegen drei gings auf den Weg zurück Richtung Natal. Vollgas am Strand entlang, so dass wir dann zum vierten Mal umkehren mussten, weil sich eine Sonnenbrille oder ein Hut verabschiedet hatte (ich hab nix verloren!). 

Wir setzten Ro ab und verabredeten und für November 2020 in Deutschland, Silvina und ich stiegen am Strand von Ponta Negra aus. Dort setzten wir uns noch etwas in den Sand, für mich gabs ein Nutella-Crepe (sehr lecker hier, die sind extrem knusprig und sind nicht biegsam).
Dann verabschiedete ich mich auch von ihr, mit der Anweisung, sie in Argentinien zu besuchen, wenn ich dort vorbeikomme. Ich lief dann Richtung Hostel, aß unterwegs noch ne Kleinigkeit und trank einen Maracujasaft (Nein, Marion, wieder keine leite, steht hier auch nirgends auf der Karte…) Im Hostel packte ich alles in die beiden Rucksäcke und nahm noch einen Dusche (klarer Hostel-Vorteil gegenüber Hotels). Jetzt sitze ich noch auf der Couch vor der Tür, hab gerade für Fortaleza ein Hostel gebucht und tippe meinen Blog fertig. Es ist gleich halb acht, werde mir dann ein Uber rufen und zum Busbahnhof fahren. Um neun geht mein Bus nach Fortaleza, ich habe Leito (Bett) gebucht, mal sehen, wie das ist… Müde bin ich jedenfalls schon…

Montag, 19. August 2019

19.08.19 Weiter nach Weihnachten (Natal)



Gehustet hab ich auch heute Nacht wieder ordentlich, wird nicht besser und ist unglaublich anstrengend… Um halb acht kapitulierte ich und begab mich mit Kindle in meine Hängematte, wo ich noch etwas döste. Um neun gabs dann Frühstück, mein letztes hier, dann packte ich gar fertig und startete zum Bus, der um 11 abfuhr.
Es war ein sehr Caro-freundliches Exemplar, Modell alte Klapperkiste mit offenen Fenstern. Da es an jedem Misthaufen hielt, brauchte es aber auch zwei Stunden nach Natal, aber es war warm, also egal.
Am Rodoviario in Natal angekommen buchte ich für morgen Abend erstmal meine Weiterfahrt, dann organisierte ich mir ein Uber-Auto. Klar, jetzt wo ich eine lokale Sim-Card habe, funktioniert das Gratis-Wifi am Busbahnhof perfekt ;-) Der Fahrer meinte es auch gut mit mir, machte die AC aus und das Fenster auf. Kurz nach halb zwei war ich in meinem Hostel, Natal Paradise. Ein echt tolles Ding in Ponta Negra, dem Stadtteil in Strandnähe, mit wunderschönem Garten, leider aber auch mit Klimaanlage im Zimmer…
Ich richtete mich ein und machte mich auf den Weg zu der berühmten Sanddüne hier, direkt am Ortsende. Morro do Careca, gut 100m hoch und seit einigen Jahren vor Touristen und Einheimischen geschützt, man darf nicht mehr hoch ;-) 


Dort gabs zur Stärkung erstmal was zu essen: Es gab Veggie-Burger auf Bohnenbasis, das klang lecker, da musste ich nicht lange überlegen. Dazu Süßkartoffel-Chips und einen Açai-Saft. Sehr lecker. Das Burger-Pattie teilte ich mir mit meiner neuen graugetigerten Freundin…

Danach suchte ich mir ein etwas ruhigeres Plätzchen am Strand (Stadtstrand, also so ruhig auch wieder nicht…), wo ich mich mal in die Fluten stürzte. Dort blieb ich noch etwas liegen und las, bevor es mich weiter zog (ich musste aufs Klo…) So landete ich in einem Restaurant im ersten Stock an der Küstenpromenade auf ein Klo und einen Caipi. Dann lief ich noch etwas weiter, kaufte Hustensaft und buchte eine ziemlich touristische Tour für morgen, bevor es mich in Richtung Hostel zurückzog.

Irgendwie bin ich ziemlich platt heute… Jetzt liege ich auf der gepolsterten Bank im wunderschönen Hostelgarten und tippe. Das Internet passt qualitativ gar nicht zum Hostel, aber ein paar Bilder schaffen es trotzdem zu euch…

Sonntag, 18. August 2019

18.08.19 - Praia - Strand - Beach - Playa


Gestern Abend war’s noch sehr gemütlich. Bierchen trinken und Karten spielen, während es drei Meter weiter pisste wie aus Eimern. Chilenisch-argentinisches Wizzard, nur einfacher. Die Nacht war wieder sehr ruhig. Bis auf das angenehme Meeresrauschen. Und leider habe ich, seit dem letzten Blablacar immer noch Husten, v.a. nachts ziemlich nervig… Danke, liebe AC!

Um halb acht wechselte ich dann in die Hängematte. Meine eigene wurde wieder-eingeweiht. Die anderen hatten wir gestern draußen vergessen, die waren noch nass. Um neun gabs Frühstück, wie sich das in einem gemütlichen Hostel gehört, alle zusammen an einem großen Tisch. So gestärkt schaffte ich dann wieder die 10 Meter bis zum Strand.
Erst lag ich direkt vor der Haustür, später schnappte ich mir meine Kamera und das große Objektiv und machte mich den Strand entlang auf zur Baia dos golfinhos. In der Delfinbucht werden nämlich regelmäßig Delfine gesichtet, direkt am Ufer. Klar, heute war Sonntag, sie hatten alle frei :-( Ich sah nur viele menschliche Nicht-Delfine, nicht mal ein aufblasbares Exemplar konnte ich sichten. Aber der Strand war schön, Sand ohne Felsen dazwischen und tolle Wellen.

Gegen halb 2 lief ich wieder zurück, vorbei am Hauptstrand. Ist mir immer wieder ein Rätsel, wie man eingepfercht zwischen (Liege-)Stühlen unter eng stehenden Sonnenschirmen und direkt versorgt vom nächsten Restaurant Strand genießen kann… Ich machte einen Abstecher in meinen Açai-Laden von gestern, mischte mir eine große Schüssel und platzierte mich mit Blick aufs Meer. War heute eine sehr große Schüssel… Muss mal recherchieren, ob man das Zeug in solchen Mengen und täglich überhaupt konsumieren sollte…
Innerlich vereist gings dann wieder an den Hausstrand und später in die Hängematte, von wo aus ich mit dem Tele die Surfer beobachtete (nachdem das Teil schon mal ausgepackt war, kam es wenigstens zum Einsatz und man erkennt sogar den Sixpack…) 

In der Hängematte blieb ich dann auch noch nach Sonnenuntergang. Inklusive Abendessen, den Resten von gestern. Dann fing es aber leicht an zu tröpfeln, ich bin mal durch die Dusche und unters Dach vor der Küche. Hier sitze ich jetzt mit ein paar anderen.
Ein unglaublich fauler Tag geht zu Ende. Morgen fahr ich im Laufe des Vormittags dann weiter nach Natal! Sind nur 80km oder so, könnte als ohne weitere Erfrierungen klappen. Husten tu ich auch so noch genug…

Samstag, 17. August 2019

17.0.8.19 - Brasilien wie man es sich vorstellt!



Die Nacht war sehr ruhig und angenehm temperiert, ganz ohne AC. Außerdem scheint es hier keine Moskitos zu geben… Gegen halb acht war ich wach, blieb noch kurz liegen, aber dann trieb es mich an den Strand, während wohl das ganze Hostel noch pennte.

Ich war ganz allein, ziemlich genial! Dieses Hostel reiht sich definitiv in die Reihe der Top10-Hostels ein, in denen ich war (zwischen Germaican auf Jamaica, Robinsons in Mazedonien, Stone City in Albanien und dem Teddies auf Zanzibar)

Um halb neun machte ich mich drei Schritte auf nach oben zum Frühstück. Mit Blick aufs Meer, ohne Tapioka, Ei und Couscous, dafür mit recht guten Semmeln, Kuchen, Saft und Kaffee. Ich hatte schon lang nicht mehr so viele Hostels in Folge mit brauchbarem Kaffee. Bisher (klopf auf Holz) noch keine Instantplörre (dadurch krieg ich aber auch meinen Guarana-Kakao nicht weg...).

Nun war ich gestärkt fürs … Nichtstun. Zurück am Strand, nicht mal einen Stunde später, hatte sich das Meer einfach vom Acker gemacht. Oder besser gesagt, vom Strand! Unglaublich, passt man einmal nicht auf! Zurück blieb viel Sand mit lavaartigem Gestein und dazwischen viele Babybecken, in denen man schön sitzen und plantschen konnte. Ansonsten gibt’s nicht viel zu berichten. Strand, lesen, plantschen, lesen, Hängematte, lesen…

Um zwei machte ich mich auf den Weg zum Chapadao, einer Aussichtsklippe auf der anderen Seite des Praia de Amor. Wurde zu einer ausgewachsenen Wanderung, denn dieses Mal war ich unten und mein Ziel oben und dazwischen kein Weg… Oben angekommen bot sich mir ein guter, wenn auch ziemlich touristischer Blick über den Strand. 

Von dort lief ich zurück in den Ort, entdeckte einen Gemüse- und Obsthändler, wo ich mich fürs Kochen heute Abend eindeckte und weiter in einen Açai-Selbstbedienungsladen. Coole Aktion, verschiedene Açai-Sorten (mit Banane, Erdbeere, Limette, …), dazu verschiedenes anderes Frucht-Sorbet und verschiedenste Toppings und Früchte. Da ich Schoko mit Obst nicht mag, war meine Auswahl schon etwas kleiner, aber noch groß genug. Am Ende wurde gewogen, wobei 100g gerade mal 70ct kosteten… Morgen muss ich da nochmal hin!

Gestärkt kaufte ich noch Nudeln und Bier im Supermarkt und lief zurück zum Hostel. Ich klatschte mich noch weng an den Strand und chillte. Später begab ich mich in eine der Hängematten, vor dem Hostel, von wo aus ich heute (ohne Kamera) den Sonnenuntergang anschaute. Gegen sechs machte ich mich auf zu einem Aperitiv (Caipi) ganz in der Nähe am Strand. Bzw. am Meer, denn jetzt war Flut und der Strand quasi komplett weg. Ein perfektes Timing, der Strand verschwindet momentan gleichzeitig mit der Sonne…
Gegen 7 lief ich zurück zum Hostel und machte mich, zusammen mit einer Chilenin, direkt ans Kochen. One-Pot-Pasta mit Tomaten-Zucchini-Soße sollte es für mich werden und wurde es auch. Bis auf die Tatsache, dass ich mich etwas mit dem Salz verschätzt habe (normal koche ich die Nudeln doch meist extra…) wars ganz lecker. Gegessen wurde zusammen mit vier anderen aus Chile, Uruguay und Argentinien. Der Rest wurde in meine clevere Zipp-Tüte eingetütet und kommt für morgen in den Kühlschrank.
Dann gings durch die Dusche, damit waren meine Füße ca. eine Minute salzfrei. Jetzt sitze ich hier mit Bier und ein paar anderen, es läuft Sambamusik, das Meer rauscht und der Chillfaktor ist enorm hoch. Morgen bleibe ich noch hier, hab eine Nacht verlängert, bevor es weiter geht.

Freitag, 16. August 2019

16.08.19 - Durch den Kühlschrank ins Paradies


Bin sitzen geblieben ;-) Als ich dann zurück ins Zimmer kam, war es geschehen, die Kühlschranktür stand offen und zeigte 18° an! Meine brasilianischen Mitbewohnerinnen hielten das wohl für die perfekte Schlaftemperatur (mit dünner, dünner Decke und Bettlaken!!!) Ich konnte sie gerade noch auf 22° hoch handeln und versuchte ihnen mit meinem Portugiesisch klar zu machen, dass das total unlogisch sei, dass die wärmeverwöhnten Brasilianer so schlafen wollen/können und ich aus Bayrisch-Sibirien mir gleichzeitig einen abfriere! Es half nichts, ich stattete mich aus: Socken, lange Thermo-Laufhose und Pulli übers Schlafshirt, inkl. Kapuze und Augenklappe. Und ab unter die Decke. Trotzdem war es noch lange nicht kuschelig warm! Am schlimmsten ist für mich immer die Luft, die in die Nase und den Hals kommt. Der war staubtrocken und ich musste ständig husten. Kann mir keiner erzählen, dass das gesund ist!
Kurz vor sieben stand ich auf und zog mich im warmen Bad an. Dann ging ich auf den Balkon. Dort wars wohl auch nicht viel wärmer als im Zimmer, aber natürliche 20° fühlen sich deutlich besser an. Offene Fenster hätten es heute Nacht genauso getan! Da der Himmel grau war, die Stadt nicht der Mega-Burner ist und ich keine weitere Nacht frieren wollte, beschloss ich, schon heute weiter zum Praia da Pipa zu fahren, also wurden Blablacar und Hostel gebucht. Nun fing es auch noch an zu regnen…

Dann ging ich runter zum Frühstück. Eliane ist eine echt tolle Hostel-Mama, es gab dreierlei frische Säfte, Filterkaffee, selbstgebackenen Kuchen, einen Sandwichmaker und und und. Auf Ei und Couscous verzichtete ich heute. Was die hier immer an diesem Couscous finden. Furztrocken! Eliane telefonierte mit meinem Blablacar-Fahrer und für den Uber-Aufpreis sollte ich um ein Uhr direkt am Hostel abgeholt werden.
Den Vormittag verbrachte ich mit Lesen, Internet, Sudoku und einem kurzen Spaziergang Richtung Strand, als es wieder trocken war. Dort gab es auch den obligatorischen Açai. Zurück im Hostel dolmetschte ich dann noch zwischen Eliane und einem polnischen Backpacker, der nur englisch konnte.
Pünktlich um eins war mein fahrender Kühlschrank da, kurz darauf sammelten wir noch drei weitere Mitfahrer ein. Dummerweise saß ich hinten in der Mitte, wo gefühlt alle Gebläse gleichzeitig hin zielten. Mir ist es ein Rätsel, da saß ich frierende Deutsche mit Pulli zwischen einem Typ im Tshirt und ner Tussi in Hotpants und kurzem Top. Irgendwas läuft hier verkehrt!
Zum Glück fuhr unser Fahrer ziemlich schnell und die Autobahn war frei. Schon wieder lustig hier, fast wie auf Cuba. Was erwartet man nicht auf der Autobahn? Wie wäre es mit offiziellen Wendestellen? (Der Mittelstreifen wird breiter und man kann in einer großen Kurve quasi links abbiegen) Snack-Verkäufer sind auch nicht zu verachten. Am besten finden ich aber die „Achtung Fußgänger“-Warnschilder, gerne auch gepaart mit einem Zebrastreifen. Genial!
Um drei Uhr kamen wir in Pipa an. Es soll wohl mit Jericoacoara um den Titel des besten Strandortes konkurrieren. Ich hatte es unterschätzt und dachte, mein Hostel finde ich schon. Denkste. War was größerers. Ich wusste, dass es sozusagen am „Eck“ zwischen zwei Stränden liegt, direkt am Meer. So steuerte ich zu dem einen der beiden Strände. Leider zum falschen. Es ging steil über die Felsen hinunter, dann wieder über Sanddünen bergauf und etwa 100m vorm Ziel endete ich auf einer Klippe. Und das schön mit zwei Rucksäcken bepackt. Also wieder runter und direkt am Meer entlang, auch wenn das stellenweise so aussah, als käme man gar nicht weiter. Doch es klappte und schließlich stand ich schweißgebadet vor der Hosteltür.

Ich war am Ziel, hier muss das Paradies sein! Ohne irgendwelche Formalitäten wurde ich in meinen 6er-Mädels-Dorm gebracht. Vom Fenster aus sieht man das Meer, keine 20m entfernt! Überall Pflanzen, Hängematten, Chillout-Plätzchen. Ich stopfte meinen großen Freund unters Bett, sprang in meinen Bikini und lief die 40 Schritte bis zum Meer. Mehr sind es echt nicht! Ab ins Wasser und danach wurde etwas gelesen. Echt der Hammer hier. Schade nur, dass mir Strand immer so schnell langweilig wird ;-) Aber echt toll hier und v.a. alles super sauber! Kein Müll weit und breit (im Übrigen kommt mir ganz Brasilien extrem sauber vor, egal ob an den Wasserfällen, in der Stadt oder auch am Straßenrand. Kein Müll. Da kann sich z.B. Südosteuropa (und auch Deutschland) ne ziemlich dicke Scheibe abschneiden!!!

Später konnte ich noch einen tollen Sonnenuntergang und die Surfer direkt vorm Hostel beobachten. Schade, leider keine Kitesurfer, noch eine neue Sportart kann ich nicht ausprobieren ohne mal irgendwas richtig zu können… Aber Zuschauen war schön und dank meiner vielen Sitznachbarn fühlte ich mich schon vom Rumsitzen bekifft ;-)

Als die Sonne um viertel sechs abtauchte, tat ich das auch. Es war endgültig Zeit für was zu essen. Außer Frühstück und Açai hatte es doch noch nichts gegeben. Eigentlich hätte ich hier auch Lust, mal zu kochen oder so, die Küche ist offen und hat den gleichen Ausblick wie mein Zimmer… Aber nicht heute und so stiefelte ich den (kürzeren, ebenen und bequemen) Weg hinauf ins „Zentrum“. Hier ist es definitiv touristisch. Eine Bar an der nächsten, Restaurants, Shops, Laundry-Service, Touranbieter… Was der Touri eben so braucht. Ich brauchte Nudeln und die bekam ich mit Blick übers Meer. Mit 3 Formaggi und einem Mangosaft.
Satt und zufrieden machte ich mich – mit Bierkauf-Stopp im Supermarkt – zurück zum Hostel. Hier herrscht gerade ne total angenehme Stimmung. Das Partyvolk scheint schon weg zu sein und hier sitzen nur noch ein paar völlig entspannte Typen mit etwas Chillout-Music… Und das Meer rauscht, man könnte meinen, meine Zehen müssten gleich im Wasser stehen.
Mal sehen, morgen bleibe ich auf jeden Fall hier, dann schau ich mal. Wie gesagt und wer mich kennt, weiß es ja auch, ich hab so meine Probleme mit Nichtstun…

Donnerstag, 15. August 2019

15.08.19 - Joao Pessoa, der östlichste Punkt meiner Reise


Nach einer erholsamen Nacht war ich gegen halb acht wach. Ich packte meine Reste und ging zum Frühstück. Leider war das Wifi quasi komplett zusammen gebrochen. Mein Blablacar-Fahrer Carlos wollte, dass ich ihn anrufe und den Abholort klar machen, aber keine Chance. So gings nur mit Nachricht und ab kurz vor 9 stand ich an der Bushaltestelle ohne Kontakt zur Außenwelt und wartete. Und wartete. Und wartete. Um halb 10, 20 Minuten nach ausgemachter Abfahrzeit ging ich frustriert zum Hostel zurück. Laut des Typen aus dem Hostel sollte Carlos vom Flughafen bis Olinda keine halbe Stunde brauchen. Als ich im Hostel zurück war, kam die Nachricht: Ich bin da! Klasse! Der Hosteltyp half aus und schickte ne Sprachnachricht und ich lief wieder zurück zur Bushaltestelle und siehe da! Ein Auto wartete auf mich! Es muss ganz dringend eine Sim-Card her!
Ich quetschte mich neben einen dicken brasilianischen Hintern auf den letzten freien Platz auf der Rückbank des eisig blasenden Fön-Autos, positionierte meinen kleinen Rucksack auf meinem Schoß zwischen mir und der Lüftung und los ging die Fahrt. Es war eng und kalt, aber wir kamen dem Ziel schnell näher. In Joao Pessoa checkte Carlos, was Uber bis zu meinem Hostel verlangen würde und für diesen Aufpreis brachte er mich direkt dort hin. Somit zahlte ich für gut 2h Fahrt von Hostel zu Hostel gerade mal 8€!
Das Hostel hatte mir jemand in Olinda empfohlen und es machte gleich einen netten Eindruck. Sehr weitläufig alles, nicht so eng zusammengequetscht, mit vielen Sofas innen und außen und sogar einem Pool hinterm Haus! Leider auch mit Klimaanlage im Zimmer, ich hoffe, nicht allzu kalt heute Nacht. Von der Autofahrt hab ich irgendwie Husten…
Ich richtete mich mal wieder ein und machte mich auf in die Apotheke (!), um dort eine Sim-Card zu kaufen. 10Rs, nicht mal 2,50€, kostete die. Bis hierhin wars leicht. Im Hostel zurück half mir der – wie ich vermute – Sohn des Hauses, sie zu aktivieren. Und jetzt kam der Haken: Man braucht einen brasilianischen Pass bzw. die Nummer davon. Klasse! Also Marion geschrieben, wozu hat sie zwei brasilianische Kinder, und einen netten Geocacher aus dem Süden, mit dem ich mich wahrscheinlich im November treffe.

Dann – es war schon 2 Uhr - bestellte ich mir ein Uber und fuhr zum östlichsten Punkt Americas: Dem Farol do Cabo Branco, einer steilen Klippe. Wobei, der allersüdlichste Punkt streng genommen ein Strand einige Meter südlicher ist, der Praia do Seixas. (Der Strand hinten neben meinem Kopf!) Wo auch immer, hier gibt’s die östlichste Coco Amerikas und man befindet sich näher am Senegal als an den südlichen brasilianischen Zipfeln…

Von dort aus wollte ich mich zu Fuß etwa 6km weit am Strand entlang in Richtung Hostel Cachen. Hier gibt es tatsächlich eine ganze Reihe Caches, bestimmt 50 Stück, alle die Küste entlang, noch knapp 20km Richtung Norden weiter. Aber leider gibt’s die auch nur auf der Karte. Schnell machte sich Ernüchterung breit. Fast alle waren (teils samt ganzer Telefonzellen) verschwunden. Vielleicht lässt der Besitzer ein paar Fotologs durchgehen, aber wirklich Spaß macht das halt so auch nicht, echt nervig…

Unterwegs begann es auch mal wieder zu regnen, so dass ich einen Ananassaft-Stopp machen musste. Später, schon wieder mitten in der (fast) Millionenstadt ging ich eine der vielen Strandrestaurants und bestellte Bolinhas de Bacalhau. Je nach Übersetzung müsste das eigentlich Stockfisch sein. Auf jeden Fall waren es kleine frittierte Bällchen, wie Kroketten, mit Fisch innen, dazu eine rötliche, cremige Soße. Waren echt lecker. 

Gegen vier begab ich mich mal kurz an den Strand, aber dummerweise geht hier die Sonne ja sau früh und auf der falschen Seite unter. Außerdem war es recht windig, also blieb ich nicht lange (und der Bikini blieb in der Tasche…)


Dann schlenderte ich noch etwas weiter die Strandpromenade entlang. Die füllte sich immer mehr mit Joggern, Radfahrern und Skateboardern. War auch echt einladend, zwei Spuren für Radfahrer auf super glattem Teer, da bekommt man echt Lust. Wollte mir ja eigentlich für morgen ein Rad leihen und weiter cachen, aber ob ich da bei der heutigen Quote Lust habe…
Schließlich landete ich nochmal in einer Sandwich-Kette mit leckerem Vollkornbrot und kurze Zeit später auf ein Bier in einem Strandlokal. Es war erst halb sechs, aber kurz darauf stockfinster. Hier begann es dann auch nochmal so richtig zu schiffen. Als das Bier leer war und der Regen vorbei, lief ich die wenigen Straßen zurück zum Hostel. 

Ich checkte die Mails und der brasilianische Cacher hat mir alle nötigen Daten geschickt. Ein Mädel aus meinem Zimmer konnte damit die Sim-Card aktivieren, juhu, jetzt kann ich dann auch von unterwegs Uber bestellen! Dann gings in die Dusche und jetzt sitze ich auf dem Balkon und tippe. Das Internet scheint hier wieder sehr gut zu funktionieren. Mal schauen, ob der Abend hier heute noch was bringt, aber wenn nicht, bleib ich einfach hier sitzen ;-) Gute Nacht!