Freitag, 3. Juli 2020

03.7.2020 - Auf in den Aukstaitija Nationalpark

Nacht Nummer 3 im Adriano – zumindest für mich die beste bisher. Ich schlief sogar bis kurz vor acht. Da Mela noch nicht so wach wirkte, schlich ich mich nach vorne und schrieb erstmal den gestrigen Blog. Kurz darauf erwachte auch Mela und wir holten uns einen Kaffee im Hostel. Schon praktisch. Danach machten wir uns so langsam startklar. Das Geschirr von gestern wurde abgespült, das Klo ausgeleert, das Frischwasser aufgefüllt.

Gegen halb 11 waren wir komplett startklar und fuhren los. Wir hielten noch einmal kurz an einem großen Supermarkt und füllten unsere Vorräte, v.a. an Obst und Brot auf. Und Schokolade… Dann ging die Fahrt in Richtung Nordosten, das Ziel des Tages war der Aukstaitija Nationalpark. Oder so ähnlich. Mit vielen komischen Akzenten und Haken auf den Buchstaben…

Zunächst ging die Fahrt auf einer recht großen und anfangs zweispurigen Landstraße entlang, dann bogen wir ab auf eine kleinere. Dort durchsuchte ich die Park4Night-App nach einem Picknickplatz und fand auch direkt einen an einem kleinen See. Wir fuhren dorthin, es war kaum etwas los und pünktlich gegen halb 1 gabs Mittagessen: Müsli mit Himbeeren aus dem Edeka in Hof und kleinen Walderdbeeren. Die hatten wir vorgestern am Straßenrand gekauft, überall standen die Mamis, die Blaubeeren, Walderdbeeren und Pfifferlinge verkauften. Zum Müsli gab es einen wunderschönen Blick auf den kleinen See und einmal Füße-ins-Wasser-Halten, bevor wir weiterfuhren.


Eine knappe Stunde später waren wir an unserem Tagesziel in Paluse (mit Haken auf dem S). Wir stoppten zunächst in der Touri-Info. Nicht ganz so gut wie ein neuseeländisches I-Site, aber doch informativ und interaktiv. Auf einer leuchtenden Karte kuckten wir uns die verschiedenen Wanderungen an, eine kleinere beginnt genau an unserm heutigen Stellplatz.

Mit ein paar Broschüren versorgt fuhren wir weiter, 300m entfernt am See auf einem Bade-Picknickplatz werden wir die nächsten ein bis zwei Nächte verbringen. Wir parkten und entluden zunächst einmal Liegestühle und Badetücher und legten uns auf die Wiese. Ein bisschen was ist hier schon los, direkt am Ort, aber echt nicht viel. Außer uns stehen hier noch zwei weitere kleine Camper, alles Deutsche, und einige Locals sind noch zum Baden hier.

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir am, im und auf dem See. Ein Check der Geocaching-Karte ergab: Eine Dose in 100m Entfernung, versteckt am 30.6.2020. Moment, die ist ja neu! Laut Internet hat sie noch keiner gefunden. Also ging es gleich mal hin und tatsächlich, ich konnte als erster loggen!


Später schwamm ich einmal zur nahegelegen Bar am klitzekleinen Hafen und checkte die Lage, immerhin gibt es dort Kaffee, Wifi und richtige Toiletten. Hier am Platz gibt’s nur ein Klo Marke „Kilimanjaro-Whiskey-Route…). Als ich zurück war, kamen natürlich genau die Wolken, sodass ich mich sogar in meine Kuscheldecke wickelte. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Lesen, es wurde bald auch wieder sonnig und richtig warm.


Mela beschloss ihr SUP aufzupusten und eine kleine Runde zu drehen. Das Ganze hielt ich mit der Kamera fest. 


Dann schmiss ich schon mal den Grill an und beförderte das vorher eingelegte Gemüse samt Käse auf Spieße. Als Mela zurück war, war auch der Grill startklar und gegen 7 gab es leckeres Abendessen:


Gemüse-Käse-Spieße mit leckeren Pizza-Grillbrötchen aus dem Edeka und einen übrig gebliebenen Veggie-Burger. Den mussten wir aber scharf verteidigen, hier sind einige ziemlich vorwitzige möwenähnliche Vögel mit großem Hunger… Dazu gab es (zur Abwechslung mal) ein alkoholfreies Bier, für mich ein litauisches Weizen. Trinkbar, aber das von Maisel schmeckt schon noch besser.

Nach dem Essen startete ich auch zu einer kleinen Fahrt auf dem SUP, hab ich bisher ja auch noch nie ausprobiert. Ging erstaunlich einfach, verglichen mit allen Boards, auf denen ich bisher stand, definitiv das aller einfachste.



Nach einer Runde Paddeln sprang ich zur abendlichen Dusche noch einmal ins Wasser. Inzwischen war es schon 8 und langsam kamen die Mücken raus, sodass ich mir dann auch was Langes anzog. Wird auch langsam frisch, denn die Sonne hat sich hinter den Wolken versteckt.


Jetzt ist es 9 und wir sitzen mit unseren Notebooks am Wasser und trinken Weinschorle. Morgen machen wir dann eine kleine Wanderung in der Umgebung und werden hoffentlich nochmal den See und das SUP nutzen können…

 


Donnerstag, 2. Juli 2020

02.7.20 - Sightseeing in Vilnius

Heute Nacht hab ich schon deutlich besser geschlafen. Bin zwar wieder oft aufgewacht, aber auch immer schnell wieder eingeschlafen. Früh war es draußen ziemlich grau und regnete. Naja, wir hatten es eh gar nicht eilig, da wir erst um 12 Uhr eine Free-Walking-Tour reserviert hatten. Mela startete den Tag mit ihrer Meditation, ich stellte fest, dass am Notebook (im Gegensatz zum Handy) das Wifi bis zu unserem Stellplatz reichte und schrieb den Blog. Um zehn hatte Mela dann einen geschäftlichen Termin (doofe Zeitverschiebung, wir hatten doch mit 9 geplant…). Ich setzte mich so lange ins Hostel, dort gabs Kaffee, und designte eine Tasche.

Danach machte ich schon mal Frühstück, mein Smoothie-Maker produzierte leckeren Erdbeer-Bananen-Smoothie, dazu gabs Kaffee aus dem Hostel und Müsli mit Obst. Inzwischen war es kurz nach 11 und draußen sah es schon viel freundlicher aus. Und vor allem, es war trocken! Wir starteten gegen halb 12, noch mit Pulli und langer Hose, doch im Laufe des Tages wurde es echt noch warm. Es lebe die Zip-Hose! Kurz vor 12 kamen wir an der Town Hall an, wo unser Guide Martyna schon auf uns wartete. Wir waren insgesamt nur zu viert, außer uns noch ein Typ aus Lettland.

Martyna machte ihre Sache richtig gut, sie erzählte viel und interessant, es war auch für sie die erste Tour nach dem Lockdown, denn erst seit Juli gibt es wieder tägliche Führungen. So erfuhren wir vielen spannende Details. Vilnius steht z.B. immer wieder unter kreativer Führung. Vor ein paar Jahrhunderten lockte ein Bürgermeister Menschen aus ganz Europa hierher, indem er sie von den Steuern befreite. Am Ende lebten hier nur noch 2% Litauer, der Rest war zugezogen. Darunter auch 200000 Juden, jetzt sind es nur noch 2000. Das jüdische Viertel war auch das erste, durch das wir schlenderten.

Der jetzige Bürgermeister ist auch nicht schlecht, als Restaurants und Bars wieder öffnen durften nach dem Lockdown, entschied er, dass sie kostenlos ihre Tische auf die Straßen stellen durften, auch wurden die Innenhöfe der historischen Uni für alle ohne Eintritt geöffnet usw.

Hier sieht man ein recht neues Projekt im ehemals jüdischen Viertel. Alte Fotos werden an der Stelle, wo sie entstanden sind, auf die Wände gemalt, scannt man den QR-Code daneben, wird einem das Foto und die Geschichte dazu angezeigt.

Wir schlenderten weiter durch die Stadt, das Wetter wurde auch immer besser.

Das nächste große Ziel war Uzupio, ein kleiner „unabhängiger Staat“ inmitten der Stadt. Gegründet wurde er am 1. April Ende der 90er. An diesem Tag jedes Jahr finden hier auch „Passkontrollen“ statt und man kann nur mit der „Landeswährung“ zahlen. Gegründet wurde Uzupio wohl hauptsächlich von alternativen Typen, die das Viertel besetzten, das einen schlechten Ruf hatte und indem viele Häuser leer standen.

Heute ist es total angesagt, es gibt viele coole Kunstwerke, Streetfood, Bars, … In der Verfassung mit 41 Punkten, steht neben dem Recht auf Lächeln auch das Recht auf Sterben – das ist aber kein Muss! Die Verfassung hängt übrigens in etwa 40 verschiedenen Sprachen aus.

Mein persönliches Highlight war der Backpacker-Christo, auch wenn ich nicht mit meinem großen Freund unterwegs bin.

Mela tankte da lieber Energie in einem Handabdruck, den auch der Dalai Lama schon berührt hatte.

Die Tour endete kurz nach zwei an der Kathedrale, die eher wie ein Tempel aussieht als wie eine Kirche (Bild gestern Abend). An diesem Punkt begann 1990 eine Menschenkette mit 2 Millionen (!) Menschen von Vilnius über Riga nach Tallinn, ein friedlicher Protest für drei von der Sowjetunion unabhängige Staaten. 


Nach der Tour gingen wir – auf Martynas (sehr gute) Empfehlung – etwas Traditionelles essen. Kalte Rote-Beete-Suppe und frittierte Brotsticks mit Käsedip. Echt lecker! Und wir zahlten inkl. Getränke nicht mal 10€!

Inzwischen war es kurz nach drei und für die nächsten Stunden gingen wir getrennte Wege. Was ich machte, ist wohl jedem klar. Das GPS wurde gestartet und die Caches der Umgebung waren nicht mehr vor mir sicher. Ich kam an vielen schon bekannten Plätzen vorbei, entdeckte aber auch noch einige neue Highlights, hier das letzte noch stehende Stadttor.


Wie Recht Albert Einstein hatte, ist hier übrigens für jeden verständlich abgebildet:

Ein Cache brachte mich auch noch zu gleich zwei Aussichtspunkten über der Stadt, eine schweißtreibende Aktion.

Dafür hatte ich mir eine Stärkung verdient, Mela und ich trafen uns in Uzupio wieder – ein cooles Restaurant mit echten Schaukelstühlen!

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Gässchen hier und kauften uns ein paar leckere Samosas zum Abendessen. Nach einiger Zeit am Flussufer wollten wir nochmal auf den Hügel hoch, wo ich vorher schon war. Leider war das Tor unten abgeschlossen. Dabei wurde die Aussicht zum Sonnenuntergang im Lonely Planet empfohlen. Schade! Ein schönes Bild mit tiefer Sonne gabs aber auch so noch!

Wir entschieden uns, zum Hostel zurückzulaufen und dort noch in der Bar was zu trinken. Inzwischen war es dann auch schon nach 10 und ich eigentlich auch ziemlich platt. Allein meine Cacherunde brachte mich heute auf 10km. Wir planten noch ein wenig die weiteren Tage. Morgen fahren wir in einen Nationalpark mit vielen Seen. Je nach Internet dort gibt es auch keinen Blog, mal sehen…


Mittwoch, 1. Juli 2020

01.7.20 - Auf nach Litauen - Land 72 😎

So, meine erste Nacht im Van war jetzt nicht unbedingt die beste, bin ständig aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Aber das Bett ist bequem und das ist das Wichtigste.

Um 7 war ich endgültig wach, Mela kurz danach. Draußen schien die Sonne und auf der anderen Flussseite grasten die Pferde.


Wir sprangen in die Bikinis und das kühle Wasser weckte mich endgültig. Danach wurde Kaffee gekocht, die erste Tasse getrunken und der Rest in unsere Togo-Becher gefüllt. Wir packten alles zusammen und kurz vor 9 waren wir wieder auf der Straße. Die polnische Holperpiste zeigte uns gleich unsere Schwächen, indem sie den Kühlschrank öffnete. So weiß man wenigstens gleich, was alles noch nicht richtig verstaut ist. 😂

Ich fuhr die erste Strecke, ab der Autobahn meditierte Mela und ich hörte übers Handy Musik. Hinter Warschau war die Straße deutlich leerer als gestern. Es ging noch ein ganzes Stück Richtung Nordwesten. Handy und Navi Schantalle waren sich mal wieder nicht einig, wo wir lang wollen. Irgendwann checkten wir aber, dass Schantalle durch Weißrussland abkürzen will, keine so gute Idee, da sind die Grenzen vermutlich dicht! Also glaubten wir dem Handy und verließen die Autobahn, um die letzten 2-300km auf der Landstraße zu fahren.

Hier hatte ich dann die Schnauze voll und übergab an Mela. Kurz vor der Grenze (was wir gar nicht wussten) hielten wir und aßen den restlichen Nudelsalat. Nebenan war eine Vinothek, wir kauften noch einen Wein. Im Nachhinein merkten wir dann, dass das wohl das Pendant zum Fidschimarkt in Asch ist, günstig Shoppen, denn kurz darauf überquerten wir die Grenze nach Litauen. Land Nummer 72! Ab hier können wir wieder mit Euro zahlen, auch die Straßen waren wieder merklich besser. Außerdem mussten wir die Uhren eine Stunde vor stellen.

Mit zwei weiteren Wechseln fuhren wir nach Vilnius. Hier war ich sehr froh, dass Mela ihren Adriano steuerte, war schon ordentlich was los. Wir hatten den City Camping im Visier, doch dort angekommen (gegen halb 6) waren wir ziemlich enttäuscht. Es handelte sich um einen reinen Wohnmobilstellplatz, ein reiner Parkplatz, Strom gab es kostenlos, aber Wasser funktionierte nicht und die Sanitäranlagen-Container waren eher noch im Bau. Das Ganze lag auch noch nahe großer Straßen und noch 7km auf dem Rad vom Zentrum.

Der Typ, der uns begrüßte, war aber super freundlich (und sprach deutsch) und nannte uns eine Alternative, Downtown Forest Hostel & Camping, zentrumsnah und auf den Fotos viel schöner. Natürlich auch teurer (13€ pro Nacht und Nase). Wir riefen an und durften kommen. Eine halbe Stunde später waren wir am Ziel! Wir stehen mit ein paar anderen auf dem Parkplatz direkt vorm Hostel. Hier gibt es vorn einen riesigen Garten mit vielen Sitzecken, hinterm Haus eine Bar und Foodtrucks und unzählige Grills, die man leihen oder mieten kann. Und sämtliche Hosteleinrichtung können wir natürlich auch nutzen.


Litauen scheint übrigens kaum mehr Beschränkungen wegen Corona zu haben. Unsere Masken dürfen die nächsten Tage im Auto bleiben, auch gibt es scheinbar keine Abstandsregeln, lediglich die Dorms dürfen nicht von fremden Personen zusammen genutzt werden. Trotzdem sind die Zahlen seit längerem deutlich niedriger als bei uns.

Ich machte mich also gleich mal auf in die Küche zum Abwaschen und der Backpacker in mir fühlte sich gleich wieder zu Hause. Dann setzten wir uns erstmal auf ein Bier hinters Haus, hier ist echt ordentlich was los, ich hatte den Eindruck, dass hier nicht nur Hostelgäste waren.
 

Gegen halb 8 liefen wir dann einmal in und durch die Stadt, Mela hatte im Vorfeld ein vegetarisch/veganes Restaurant entdeckt, das Vegafe. Gute Wahl, es gab als Vorspeise gefüllte Teigtaschen, dann hausgemachte Limo, Momos für mich und Kürbissuppe für Mela. 

Gut gestärkt liefen wir dann noch zu einer Cocktailbar. Hier herrschte ein Betrieb wie bei uns nicht an einem Samstagabend. Fast alle Tische entlang der ganzen Straße waren besetzt. Wir landeten in einer Gin-lastigen Bar und bestellten zwei Cocktails zu echt europäischen Preisen. 

Einer reichte uns völlig und gegen halb 11 schlenderten wir gemütlich zurück. Es war immer noch nicht stockfinster. Im Hostel angekommen duschte ich noch schnell, kurz nach 11 lagen wir im Bett. Drei Seiten las ich noch in etwa, dann schlief ich ein. Morgen steht Sightseeing auf dem Programm!



Übrigens, wahrscheinlich werde ich meistens eher am nächsten Morgen Blog schreiben. Das passt ganz gut, dann kann Mela in der Zeit meditieren, Emails beantworten oder was weiß ich noch treiben und ich bin gleichzeitig gut beschäftigt. Also nicht wundern, wenn der Blog einen Tag später kommt. Beim ersten hat das übrigens ganz super geklappt mit dem Handy als Hotspot, also unter Umständen habt ihr Glück und bekommt auch was zu lesen, wenn ich kein Internet habe…

Dienstag, 30. Juni 2020

30.6.20 - On the Road mit Nudelsalat

Los geht’s!!! Heute früh war ich gegen halb 7 wach und fit! Ich sprang einmal unter die Dusche, danach wurde noch mal in aller Ruhe das Internet gecheckt, Kaffee getrunken und Nudelsalat gemacht. Um neun trafen Mela und ich uns am Bus zum Einladen. 

Die letzten Teile wurden geladen und abschließend spielte ich eine Runde Kühlschrank-Tetris.


W
ider Erwarten passte alles rein und Punkt 10 Uhr waren wir abfahrbereit.


Mit einem schnellen Stopp beim Müller-Bäck ging es auf die Autobahn in Richtung Polen. 

Die Straße war recht frei, unsere Stimmung super. 

Die Zeit verflog wie die Kilometer und schon waren wir an unserer ersten Grenze nach Polen. Zwischendurch machten wir irgendwo eine Pause und aßen unsere Semmeln bzw. ein letztes Nougathörnchen.


Gegen 3 waren wir schon ein ganzes Stück in Polen. Das Navi hatte sich schon verabschiedet, es kannte die (gar nicht so neue) autobahnähnliche Straße nicht, mein Handy meinte, um halb 6 sind wir schon am Ziel. Wir entschieden uns dazu, noch ein Stück weiterzufahren und Mela suchte nach einem anderen Stellplatz. Jetzt durfte ich nämlich zum ersten Mal Adriano steuern! Am Anfang etwas seltsam, aber ich gewöhnte mich schnell an unser Schlachtschiff.

Ab fünf übernahm ich dann komplett die Führung, denn Mela hatte einen längeren Zoom-Call. Gegen Viertel 7 musste ich aber halten und den Nudelsalat futtern! Gestärkt steuerte ich uns souverän an Warschau vorbei, kurz dahinter ging es von der Autobahn runter und punktgenau versagte auch mein Handy. Prima. Nach einer holprigen durch den Ort hatten wir doppelte Navigation zurück und konnten die letzten Meter zu unserem Schlafplatz zurücklegen. Da war ich dann aber auch echt froh, mein Hintern wollte keinen Meter weiter…

Mela hatte gut gewählt: Wir stehen direkt am Ufer eines träge dahin fließenden Flusses, dazu kamen wir kurz nach 8 pünktlich zum Sonnenuntergang an. Also sprangen wir zunächst einmal in unsere Bikinis und weiter ins Wasser. Es war echt angenehm erfrischend, der polnische Opi, der uns beobachtete, fand die Aktion auch ganz klasse und hat sich fleißig mit uns unterhalten. Dass wir ihn nicht verstehen, war nicht so wichtig, glaube ich…

Danach zogen wir uns was Langes an, das war auch gut so, denn nach dem Sonnenuntergang kamen die Mücken. Und komische riesige Viecher mit Helikoptersound.

Pünktlich als die Sonne unterging, hatten wir die Campingstühle draußen und den Sekt offen und stießen auf geile 9 ½  Wochen an. Dann gab es noch ne Schüssel Nudelsalat und ich schrieb den Blog

Jetzt wird es langsam dunkel, die Frösche quaken, ein Schwan kam gerade vorbei und die Mücken finden die ganze Sache mindestens so toll wie wir!

Da wir nun doch 200km weitergekommen sind als geplant, haben wir morgen deutlich weniger vor uns. Laut Google sind es ca. 6h bis nach Vilnius, wo wir einen Campingplatz in der Stadt reserviert haben.

So, dann kuck ich mal, ob mein Handy als Hotspot funktioniert. Wenn nicht, wisst ihr nix davon ;-)


Sonntag, 28. Juni 2020

29.6.20 - Nur noch einmal schlafen!!!

So, nun ist es endlich soweit, morgen fahren wir! Wer sich jetzt wundert, ja, wir hatten mal über heute Mittag nachgedacht, aber da Melli noch Termine hat, haben wir beschlossen, dass wir ja auch nicht gestresst starten müssen, ein Tag mehr oder weniger ist nicht entscheidend (jaja, ich weiß, in den Sommerferien sehe ich das anders...). Wir haben neuneinhalb Wochen Zeit (nein, nicht der Film) und fahren jetzt morgen ganz gemütlich im Laufe des Vormittags los.
Übrigens fahren wir mit diesem jungen Herren, ich darf vorstellen, Adriano, ich glaube, er ist ein heißblütiger Italiener und definitiv heiß darauf, uns Richtung Norden zu befördern!

Hier seht ihr mal das - auf den Bildern noch chaotische Innenleben. Inzwischen ist das Meiste eingeräumt und auch die Betten sind überzogen. Eigentlich fehlen nur noch der Kühlschrankinhalt, die Fahrräder und ein paar Kleinteile...
Hier der Blick in die "Garage" mit Stühlen, Tisch, Grill und was weiß ich nicht alles. Oben drüber schlafen wir.

Hier der Blick von vorn auf die Betten. Oben drüber ist genug Stauraum für Klamotten. Für mich mehr als genug. Statt Kleidung für 10 Tage wie im Rucksack kann ich jetzt problemlos zwei Wochen überleben, hab sogar eine kurze und eine lange Jeans und mehrere Pullis an Bord und trotzdem sind nur zwei meiner drei Fächer voll geworden 😂 Super, somit konnte ich auch noch ordentlich rosinenfreies My-Müsli und selbstgemachtes Granola einpacken!


Hier der Blick von der Schiebetür. Sitzecke, ich glaube, die Fahrersitze kann man auch nach hinten drehen, links die Küche, wenn die Tür offen steht, kocht man quasi fast unter freiem Himmel 😎 Drüber und drunter ist weiterer Stauraum (Schuhschrank, Besenkammer, Hänge-Kleiderschrank sowie einige Fächer für Küchenutensilien und Vorräte).


Das Bad ist seitlich in einer Nische mit einer lustigen Schiebetür. Man kann es wegsperren oder mit der Tür den Gang absperren, dann kommt man nicht mehr ins Schlafzimmer 😂 Sehr platzsparend gelöst jedenfalls.


So, morgen geht es also los. Heute werden die letzten Kleinigkeiten erledigt. Blumen gießen bei mir und meinen Eltern, Opa besuchen und verabschieden, einkaufen und eine letzte Planung mit Melli. Auch wenn noch etwas Zeit ist bis dorthin, wollen wir noch einmal Skandinavien durchsprechen. 

Momentaner Planungsstand ist wie folgt: Morgen fahren wir nach Polen bis etwa Lodz (kurz vor Warschau), am nächsten Tag gehts weiter nach Vilnius, der litauischen Hauptstadt, wo für zwei Tage ein Campingplatz gebucht ist (hoffe ich zumindest). Danach wollen wir in einen Nationalpark und zu den Kurischen Nehrungen, danach nach Lettland, wo ebenfalls die Hauptstadt und ein Nationalpark auf dem Plan steht. Von dort aus gehts weiter nach Norden, in Estland stehen eine Insel und Tallinn auf dem Plan. Von dort wollen wir dann Mitte Juli mit der Fähre nach Finnland übersetzen. 
Die Fährverbindungen sind jetzt schon offen und werden nicht kontrolliert. Die Einreise aus Estland scheint auch jetzt schon für alle möglich zu sein, allerdings heißt es andererseits, dass die Einreise "aus Deutschland" noch nicht möglich sei. Hm, verwirrende Formulierungen, für uns klingt es, als kämen wir dort rüber. Am 14. Juli sollen aber (hoffentlich) auch weitere Grenzen geöffnet werden. Wird schon schiefgehen.
Ähnlich sieht es dann jetzt mit Norwegen aus. Bis vor kurzem hieß es ja, erst um den 20. August öffnet die Grenze, jetzt ist eine Einreise aber wohl ab dem 15. Juli möglich. Nur nicht aus Schweden... Wenn das also alles stimmt, gehts von Helsinki Richtung Norden durch Finnland und oben über die Grenze nach Norwegen. Wäre perfekt, wollen wir ja eh zum Nordkap. Dann durch Norwegen runter und je nachdem, wie die Lage bis dorthin aussieht, durch Schweden nach Dänemark oder mit der Fähre runter. 
In Dänemark ist eine Einreise problemlos möglich, wenn man 6 Übernachtungen gebucht hat. Vielleicht ändert sich das auch noch. Wir hoffen nur, dass man die nicht am gleichen Ort braucht, dazu hab ich noch nix recherchiert. Wer dazu Infos hat, nur her damit!!!

So, das ist der Plan, mal sehen, inwiefern er dann auch der Wirklichkeit entsprechen wird. Blog wird natürlich täglich geschrieben, ich weiß allerdings nicht, wie regelmäßig ich ihn hochladen kann, das hängt davon ab, ob wir auf einem Campingplatz (mit Wifi) schlafen oder nicht, denn dann bräuchte ich irgendwo anders einen Wifi-Zugang.
Sollte länger nichts möglich sein, gibts ja noch Facebook oder meinen Whatsapp-Status, denn bis auf Norwegen ist ja alles EU und somit kann ich zumindest mit dem Handy online gehen...
Morgen schlafen wir wahrscheinlich schon mal nicht auf einem Campingplatz, der einzige in Autobahnnähe ist geschlossen... 

Dienstag, 16. Juni 2020

16.6.20 - Das Warten hat ein Ende - bald zumindest!


So, nun habe ich mich ja schon lange nicht mehr bei euch gemeldet und dabei gibt es doch so einige Neuigkeiten! Die letzten Wochen waren gar nicht mal so langweilig. Wenn das Wetter gut war, war ich viel draußen unterwegs, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, allein oder mit Freunden. Und meist natürlich auf Dosensuche. Scheint so, dass dank Corona viele Cacher Zeit haben, neue Runden zu legen und die wollen natürlich besucht werden. Ach ja, ich hab natürlich da auch mitgemischt und eine neue Runde Backpacker-Caches gelegt. Für die Nichtcacher: Ich habe bereits zu 18 meiner bisher bereisten Länder eine Rätselreihe gestartet. Bei der muss man anhand meiner Fotos erkennen, in welchem Land ich mich befinde und dort die eine oder andere Sehenswürdigkeit erkennen. Wer gerne prüfen will, wie aufmerksam er die letzten Jahre meinen Blog verfolgt hat, dem kann ich die Rätsel auch gerne so mal schicken. Als fleißiger Leser sollte man definitiv einen großen Vorteil haben ;-)
Morgen geht es dann auf eine ganz besondere Cache-Tour, das Müssmannhaus steht auf dem Plan. Für die Muggel unter euch: Das ist wohl einer der besten Caches in ganz Deutschland (und somit auf der ganzen Welt, denn Deutschland ist, was Qualität von Caches angeht, ganz vorne dabei). Dort kann man nicht einfach mal so hinfahren, man muss ich in einem Kalender anmelden, der gerne mal über Jahre im Voraus ausgebucht ist. Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich da mitkommen wollte, weil jemand vom Team absagen musste, und da war die Entscheidung schnell getroffen. Also geht es einmal quer durch Deutschland, denn das Müssmannhaus steht nördlich vom Ruhrgebiet.
Auf dem Weg dorthin wird morgen unser erster Stopp bei den Panzerknackern in Suhl sein, ein recht neuer, aber ebenfalls sehr hoch bewerteter Cache. Und auch unterwegs kommen noch einige Highlights hinzu. Ich werde definitiv berichten.
Aber das echte Highlight wird wohl in ca. zwei Wochen folgen. Einige wissen es ja schon, andere vermuten es bestimmt. Jetzt, da viele Grenzen wieder geöffnet sind, hält mich hier nichts mehr! Eine grobe Vorstellung hatte ich schon lange, ich will Richtung Norden, denn dort komme ich sonst ja auch nie hin… Skandinavien und Baltikum war mein Wunsch. Ich wollte den Mini vollladen mit Fahrrad, Zelt für Notfälle, … Aber es kam ganz anders und mit Sicherheit viel besser:
Denn ich habe tatsächlich für neun Wochen eine Mitreisende. Und nicht nur das, auch ein fahrbares Haus kommt dazu! Vor etwa zwei Wochen traf ich mich nämlich mit meiner Nachbarin Melanie. Die wollte mich eigentlich jetzt etwa in Indien besuchen, aber daraus wurde ja nichts. Und da sie selbständig ist und auch online arbeiten kann, ist sie zeitlich ziemlich flexibel. Wir trafen uns auf eine Pizza und ein Glas Wein und schnell war klar: Wir scheinen reisekompatibel zu sein und werden es versuchen! Sie bekommt Zeit für Mediation, Yoga und gelegentliche Arbeit, ich setze mich dafür mal zum Dosensuchen ab ;-)

Und seitdem wälzen wir Reiseführer und checken neueste Infos im Internet. Dass Norwegen uns einen Strich durch die Rechnung macht, zeigte sich bald. Wollen die voraussichtlich erst ab dem 20. August wieder Touristen ins Land lassen. Mal ehrlich, wer außer uns fährt  Ende August überhaupt noch nach Norwegen??? Aber klar, die meisten werden über Schweden kommen und dass man von dort niemanden rein lassen will, ist auch irgendwie nachvollziehbar. Somit war für uns schnell klar, dass sich unsere Reiseroute umdrehen wird.
Das heißt jetzt: Wir fahren von hier Ende Juni los, einmal quer durch Polen und zunächst nach Litauen, Lettland und Estland. Die drei Länder sind für alle offen, die aus Ländern einreisen, in denen die 7-Tage-Inzidenz unter 15 (bzw. 25) liegt. Das schaffen Deutschland und Polen im Moment locker. Somit ist diese Reiserichtung auch gut, denn in Schweden liegt die Zahl im Moment immer noch bei knapp 70 (ja, die Schweden haben das schon echt toll gemacht…). Von dort wollen wir dann mit der Fähre nach Helsinki und das ist dann auch schon der erste Risikofaktor. Finnland hat die Grenzen im Moment noch dicht, aber soll wahrscheinlich am 14. Juli öffnen (wäre dann ein nettes Geburtstagsgeschenk). Da wir für das Baltikum eh gut zwei Wochen einplanen, würde das genau hinkommen. Wobei die Regelung der Finnen auch wieder etwas undurchsichtig ist, denn aus Dänemark, Estland, Lettland, Litauen ist eine Einreise möglich (es steht so in etwa auf einer finnischen Tourismusseite). Da steht nicht, dass die Einreise für Bürger dieser Länder möglich ist, sondern es klingt, als ob es ausreicht, wenn man von dort kommt. Zudem gibt es seit gestern keine Grenzkontrollen mehr auf den Fähren zwischen den Ländern… Mal sehen, aber wenn wirklich Mitte Juli für alle offen wäre, wäre das sowieso kein Problem mehr.
So, wenn das nun klappt, geht es die nächsten Wochen durch Finnland, wo wir im Norden noch ein wenig Mittsommer mitbekommen könnten. Alternativ gibt es auch eine Fährverbindung nach Schweden, die ja alles reinlassen, nur das Rauskommen könnte dann ein Problem werden… Schweden wäre dann das nächste Ziel, wo wir hinwollen. Mal sehen, wie sich dort die Situation weiterentwickelt. Um uns hab ich da keine Angst, denn wir können ja auch dort Abstand halten. Dank Wohnmobil sind wir ja auch ziemlich unabhängig und zur Not reicht der Gang in den Supermarkt. Wir wollen dort auch nicht viel in Städten sein, eher die Natur genießen und da sollte die Gefahr gering sein.
Das große abschließende Fragezeichen ist dann Norwegen. Sollten sie aufmachen und wir von Schweden auch ohne Komplikationen einreisen können, wollen wir noch mindestens hoch bis auf die Lofoten, wobei das Nordkap natürlich auch so ein „Punkt“ wäre… Da müssen wir die Situation im Auge behalten, falls sich abzeichnet, dass die Grenze zu Schweden dicht bleibt, könnten wir auch über Finnland ganz im Norden einreisen und mit der Fähre danach direkt nach Dänemark ausreisen. Dänemark wäre dann auch das letzte Land auf unserer Liste. Dort kommt man ja rein, wenn man 6 Nächte bleibt. Wobei auch hier noch recherchiert werden muss, ob das auch gilt, wenn man aus Schweden kommt…
Naja, es bleibt spannend und nicht wirklich absehbar, wo wir letztendlich landen werden. Aber das ist ja immer das Spannende, ist beim „normalen“ Backpacken ja oft nicht anders. Genau so hab ich mich auch durch Südamerika bewegt…
Im Moment steht also nur unser Plan für das Baltikum. Melanie ist da eine super Organisatorin, einen so toll ausgearbeiteten Reiseplan hatte ich noch nie ;-) Campingplätze sind schon rausgesucht und der Lonely Planet nach Restaurants durchforstet, klasse! Du solltest vielleicht über eine Karriere als Reiseplanerin nachdenken! Ach ja, wir sind noch auf der Suche nach einer guten App für Campingplätze, insbesondere in Skandinavien. Weiß da jemand etwas? Ansonsten sind wir auch immer offen für weitere Tipps und Anregungen in all diesen Ländern. Evtl auch für einen guten Zwischenstopp in Polen, wobei wir da eigentlich eher durchfahren wollen (wir waren beide schon in Warschau, was auf dem Weg liegt).
Also, für Anregungen sind wir offen. Und dann dürft ihr euch alle freuen, wenn es ab Anfang Juli wieder heißt: Tägliche Frühstückslektüre made by Caro (wenn ich auf den Campingplätzen immer Internet habe…)

Dienstag, 5. Mai 2020

05.5.20 - Quarantäne-Blog


So, drei Wochen habt ihr nun nichts von mir gehört und es kommen die ersten Beschwerden ;-) Also hab ich mich entschieden, einen ersten Blog von zu Hause zu schreiben und über meine Quarantäne und die Zeit danach zu berichten.
Wie glaube ich schon erwähnt, war die Quarantäne ja eher so ein Witz. Bei genauerem Betrachten der Copy&Paste-Email las ich da folgendes: Quarantäne endet am 31. März (zur Erinnerung, ich bin Mitte April zurückgekommen). Außerdem stand da, ich hätte Kontakt zu infizierten Personen gehabt (äh, nee, ganz sicher nicht!) und ich sollte das Tagebuch aus dem Anhang zu meinem Gesundheitszustand führen. Da es keinen Anhang gab (und ich nicht mal ein Fieberthermometer besitze), verzichtete ich großzügig darauf… Auch jetzt sprechen die neuseeländischen Zahlen eine klare Sprache für mich, die Zahlen der Neuinfektionen lagen seit meinem Abflug täglich unter 20 und gehen in den letzten Tagen gegen 0. Anders gesagt, das schafft Hof alleine, was dort ein ganzen Land hat ;-) Somit hatte ich auch kein Problem damit, mich sportlich zu betätigen 😎
Ansonsten war es erstaunlicherweise auch gar nicht langweilig! Hier nun ein kurzer Überblick über alles, was ich die letzten Wochen so getrieben habe. Zunächst einmal warteten da ja 5000 Teile eines Puzzles auf mich und, nachdem ich herausgefunden hatte, bei welchem Nachbarn sie sich verstecken, konnte es losgehen. Zunächst musste ich aber meinen Tisch vergrößern, der war leider 10cm zu schmal. Verlängern kann ich ihn noch um ein gutes Stück mehr, aber für die Breite musste ich improvisieren, es klappte am Ende aber ganz gut. 

Das Puzzle beschäftigte mich über viele schöne Stunden. Wobei es letztendlich gar nicht so schwer war. Komischerweise fand ich die Gummibären selbst am schwersten, die waren verwirrender als das Drumherum. 

Und so war nach gut einer Woche das Puzzle fertig. Naja, zumindest 4999 Teile fanden ihren richtigen Platz. Das letzte versteckt sich immer noch erfolgreich… 😖

Ein weiteres Projekt, das ich angehen wollte, hieß ja Türkisch. Nachdem ich keine Website oder App finden konnte, die meiner Vorstellung von Sprachenlernen entsprach, hab ich dann doch die klassische Methode gewählt. Die Konzepte der Apps überzeugen mich alle nicht, das ist mir zu konfus und zu wenig systematisch. Der Mathematiker in mir braucht klare Regeln und Strukturen, dazu gehören vernünftige Vokabeln, aber auch eine ordentliche Grammatik. Bin da Oldschool und damit komme ich aber gut klar. Solche Apps eignen sich für mich vielleicht zum Wiederholen einer mir schon bekannten Sprache, aber ohne Grundlagen komme ich damit nicht klar. Zumal türkisch mal so gar nichts mit den Sprachen zu tun hat, die ich kann oder kenne. Also entschied ich mich für ein Buch samt Übungs- und Lösungsbuch, das eigentlich für Kurse gedacht ist. 

Da ich das aber mit Spanisch und Italienisch auch ohne Kursleiter geschafft habe, hoffte ich, das könnte auch klappen. Übrigens hab ich mich dafür entschieden, das Buch beim lokalen Buchhändler zu bestellen anstatt bei Amazon und ich muss sagen, schneller und kostenloser Versand, was will man mehr? Zum Vokabellernen nutzte ich aber trotzdem eine App, das gute alte Phase6, da konnte ich die Vokabeln zum Buch herunterladen und die werden mir sogar sehr schön vorgesprochen.
Nun saß ich also da mit den Büchern und zwei CDs, ok, das ist nun richtig Oldschool. Zum Glück hab ich noch mein altes Notebook mit dem entsprechenden Laufwerk, sodass ich die CDs rüber kopieren konnte und sie nun sogar abspielen kann ;-) Das könnte Klett schon mal modernisieren. Es gibt wohl einen App dafür, die aber nicht wirklich zu funktionieren scheint. Die einfachste Lösung wäre ja ein Link im Buch zum Download der Audiodateien, aber das wäre wohl zu simpel…
So, nun hab ich es dann doch schon ins zweite Kapitel geschafft. Nach einem schnellen Start kam ich dann kaum noch zum Lernen, denn andere Projekte raubten meine Zeit, dazu später mehr. Mein erster Eindruck: Scheiße, ist das schwer! Null Bezug zu mir bekannten Sprachen, keine Chance sich irgendetwas herzuleiten. Eine fiese Grammatik (wie mir im Moment scheint), durch die ich erst so langsam durchsteige. So hängt man im Türkischen gefühlt an jedes Wort eine persönliche Endung an. Nicht nur bei Verben, gefühlt bei jedem Wort kommt eine Endung für die unterschiedlichen Personen dran, sogar bei einem „nicht“ unterscheidet man zwischen ich, du, er, sie, es… Sauschwer, da immer die richtige zu bilden, aber vermutlich gewöhnt man sich daran. Zudem unterscheiden sich die Endungen auch noch, je nachdem welcher Vokal davor steht. Erinnert mich ein bisschen an die Löffelsprache, die man als Kind benutzt hat. Zumindest weiß ich jetzt, wo die ganzen Üs im Türkischen herkommen. Ist da schon eines im Wort, kommen durch die Endung unter Umständen noch zwei weitere dazu ;-) Aber gut, es wird und immerhin kann ich jetzt schon sagen, wie ich heiße, wo ich wohne, und was ich beruflich mache!
Womit ich aber tatsächlich die meiste Zeit der letzten drei Wochen verbracht habe, ist die Arbeit für uns Pimpqueens. Los ging es mit einigen „normalen“ Aufträgen und dem Design der ersten corona-spezifischen T-Shirts, man muss ja für jede Eventualität gerüstet sein!



Aufgrund der Maskenpflicht und meiner nähbegabten Mit-Pimpqueen war schnell klar, gepimpte Masken sind eine Marktlücke! Ideen für Motive wurden gesammelt, schwarzer Stoff und Gummiband erbeutet (beides ist das neue Klopapier…) und die ersten Probeexemplare produziert. Was dann am letzten Wochenende passierte, war echt der Hammer! Bestellungen über Bestellungen kamen an und Meike bekam in ihrem Bangladesch (Nähzimmer im Keller) so langsam die Krise. Unbezahlte Hilfsarbeiter wurden angestellt und ausgebeutet, Plotter, Presse und Nähmaschine standen nicht mehr still. Die Ergebnisse können sich aber echt sehen lassen!


Wie immer versuchten wir natürlich auch, jeden Sonderwunsch zu erfüllen, die Motivpalette wuchs und auch die ersten Firmenlogos fanden ihren Weg auf die Masken. Als schließlich meine Quarantäne vorbei war, schwang ich mich auf das kleine Pimpqueen-Mobil und machte mich an die erste Auslieferungsfahrt. (Nein, ich bin natürlich nicht mit Maske geradelt!)

Dummerweise war die Zulassung des richtigen Pimpqueen-Mobils noch ein größeres Problem. Beim ersten Anruf in der Zulassungsstelle direkt nach meiner Rückkehr hieß es „Sie müssen ja eh erst mal zwei Wochen in Quarantäne“. Als ich dann letzten Montag anrief, bekam ich den nächsten freien Termin, eine Woche später! Das hätte die blöde Kuh beim 1. Anruf auch gleich sagen können, dann hätte ich da auch schon einen Termin ausmachen können. Letztendlich war es aber auch nicht so schlimm, ich hatte eh keine Zeit für irgendwas. Gut, ich hätte mir beim Einkaufen etwas leichter getan als auf dem Fahrrad aber das ging schon mal so.
Außer dem Einkaufen und einer gelegentlichen Fahrt zu Meike zum Austausch von Masken und Stoffen unterschied sich die Woche nach der Quarantäne auch nicht so wirklich von der Zeit davor. Letztendlich fühlt es sich für mich in etwa so an wie Ferien bei schlechtem Wetter. Gut, da würde ich dann mal ins Fitnessstudio fahren, aber ansonsten ist der Unterschied nicht so groß.
Gestern konnte ich dann endlich meinen geliebten Corange zulassen. Danach streikte er aber. Ich hatte ihn letzte Woche getestet, da sprang er an, meldete aber einen niedrigen Batteriestand. Das hätte ich besser mal gelassen, gestern wollte er dann gar nicht. Danke hier an meine Mum, die dann schnell zum Fremdstarten vorbeikam. Das klappte prima und kurz darauf war ich on the Road! Etwas komisch war das schon, beim Starten musste ich echt überlegen, wie das nun ging, ein Zündschloss konnte ich nicht finden, dann erinnerte ich mich an den Startknopf. Auch die Position beider Füße auf den richtigen Pedalen wollte erstmal gefunden werden… Dann fuhr es sich aber wieder richtig gut und ich war auch auf der richtigen Straßenseite unterwegs ;-) Nun konnten auch die Masken außerhalb von Hof ausgeliefert werden.

Wer noch eine Maske braucht oder eine schönere will, kuckt doch einfach mal auf unserer Website www.pimpqueens.de oder auf Facebook unter Pimpqueens ;-) Im Moment ist fast so etwas wie Ruhe eingekehrt und wir haben auch neuen Stoff bekommen!
Zum Abschluss möchte ich mich nochmal ganz ganz arg bedanken bei allen, die mich in der Zeit der Quarantäne so super versorgt haben! Vorne dran meine Mum und Meike, die fleißig für mich einkaufen waren, an Sam für die mehr als reichliche Lieferung an guten Müller-Semmeln, selbstgemachter Schokocreme und Kochkäse, von einer sehr gesunden Ananas ganz zu schweigen!

Außerdem natürlich auch lieben Dank an die unzähligen Shopping-Hilfsangebote, die ich gar nicht alle nutzen konnte. Echt super, wer sich da alles angeboten hat, für mich was einzukaufen. Auch Danke ans Ristorante Il Colosseo, die im Moment auch Pizza liefern.
Nun ist es an der Zeit, das zurückzugeben. Wenn irgendwer hier in meiner Nähe auch in Quarantäne muss oder warum auch immer Hilfe beim Einkaufen (oder auch etwas anderem) braucht, meldet euch, ich hab echt ausreichend Zeit! Oder wenn jemand Lust auf ein Florida-Eis hat, natürlich nur 50m von der Florida entfernt und mit dem richtigen Sicherheitsabstand, ich bin bereit ;-)