Donnerstag, 5. September 2019

04.09.19 - Das Leben am Fluss



Gegen 6 wachte ich auf und musste aufs Klo. Hab kurz mal drüber nachgedacht, auf den Sonnenaufgang zu warten, denn der Himmel wurde schon leicht rot, aber das Bett hat gesiegt. Die Nacht war überraschend kühl, hätte nicht auf mein Laken verzichten wollen. Um 8 stand ich dann auf, Bele hatte das Frühstück schon vorbereitet. Es gab alles, was man sich so wünschen kann, Brot, Käse, Marmelade, Erdnussbutter, Eier, Obst, ... und dazu wieder frischen Tee.


Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in den Dschungel. 

Somit kamen die langen Hosenbeine auch noch zum Einsatz. Bele zeigte mir die verschiedensten Pflanzenarten und erklärte, wie sie verwendet werden.

Einiges davon hab ich auch schon irgendwo auf dieser Welt gesehen, aber man vergisst es halt immer so schnell wieder, v.a. wenn man mit den Namen nix anfangen kann. 

Leider findet man so nah am Dorf natürlich nicht den „echten“ Dschungel, da hier überall kleine Plantagen der Dorfbewohner versteckt sind (die ich aber niemals als solche erkannt hätte). Insgesamt waren wir so um die zwei Stunden unterwegs. Zurück im Dorf sprang ich in den Bikini und wir liefen zum Fluss. Unterwegs durfte ich noch beim letzten Schritt einer höchst komplexen Ölherstellung zukucken, im großen Kessel über dem Feuer wurde das Innerste einer Frucht dazu verkocht. 

Außerdem wurde das traditionelle Brot Kasu aus der Kasuwurzel gebacken. Ein großer Fladen, schmeckt wie Knäckebrot und ist auch ähnlich haltbar. 

Dann sprang ich kurz in den Fluss und lief erfrischt zu meiner Hängematte zurück, bin ich doch echt fest eingeschlafen! Bele weckte mich zu einem kleinen Mittagessen, es gab die holländische Form eines Armen Ritters. 



Danach legten wir uns beide noch etwa bis um 4 wieder in die Hängematten. Überarbeiten tut sich hier niemand! Ich las und döste etwas bis wir uns wieder aufmachten, es ging in das kleine Nachbardorf. Fanti war wieder da und wollte mich gar nicht gehen lassen.


Im Nachbardorf geht man im Moment auf Affenjagd, aber das Vieh ist zu schlau. Es lebt seit Jahren im Dorf, seit kurzem ist es aber aggressiv und attackiert die Menschen. Ansonsten ist das Dorf ähnlich, nur viel kleiner. 

Danach gings nochmal zum Fluss, dieses Mal ordentlich mit Seife bewaffnet, mach ich es doch wie die Einheimischen. Im Guesthouse gibt’s ne Bucket-Shower. Eimer, Schöpfkelle, fertig! Tut’s auch, aber im Fluss baden ist viel schöner, da kann keine Dusche der Welt mithalten! Zum Trocknen begab ich mich dann wieder in die Hängematte, während Bele kochte (er ließ sich nicht helfen). Gegen acht gab’s Abendessen, heute Bami, Spaghetti auf surinamesisch. Eigentlich wie Bami Goreng, oder ist das das mit Reis?!? Dazu gebratene Kochbananen, indische Eier Masali und Chili, lecker!
Nach einer weiteren Runde Hängematte mit Buch und einer Tasse Tee (könnt ich mich echt dran gewöhnen) machten wir uns auf einen spätabendlichen Spaziergang durch den dunklen Ort. Die meisten Häuser waren geschlossen und Bele schimpfte über die Erfindung von Strom und Fernsehen. Der Himmel war wieder toll, mit so wenig störenden Lichtern. Gegen 11 waren wir wieder zurück und ich schlief augenblicklich ein. Echt unglaublich erholsam hier!


03.09.19 - Auf zum Suriname River



So, da bin ich wieder! Gesund und voller toller Eindrücke zurück in Parbo. Aber von vorne:
Montag hab ich dann gleich von Anfang an die AC auf 27° „runtergedreht“ und unter dem Moskitonetz gut geschlafen. Um halb acht stand ich auf, packte und trank endlich mal was von meinem Guarana-Kakao, denn ich schon die ganze Zeit rumschleppe… Kurz nach halb 9 wurde ich dann abgeholt, gleich danach in der Stadt aber schon wieder in einen anderen Minivan umgeladen. Der war gar nicht voll, außer mir nur Einheimische drin. Und, juhu, meine Angst war dieses Mal unbegründet, man setzt hier voll auf Natural-AC ;-)
Die Fahrt zog sich ganz schön in die Länge, was v.a. an den dauernden Stopps lag. Erst wurde eine Motorsäge gekauft, dann hielten wir an einem Supermarkt und schließlich an einer Tankstelle. Selbstverständlich immer bei laufendem Motor :-( Und dabei war ja nicht mal die Klimaanlage an, was das ansatzweise rechtfertigen würde.

So war es schon halb 1, als wir in Atjuni am „Hafen“ ankamen. Atjuni liegt ca. 180km von Parbo entfernt am Suriname River und hier endet die (echt weitgehend sehr, sehr gute) Straße. Dort wird dann alles, was sich auf Busdächern, in Minivans oder Schubkarren befindet auf schmale, lange Boote umgeladen. 

Es war echt ganz schön heiß, alles in der prallen Sonne. Hier dauerte es nochmal fast eine Stunde, bis mein Boot startklar war. Schon interessant das ganze Treiben zu beobachten.
Dann endlich ging die Fahrt los und mein Pulli kam zum Einsatz: Als Sitzkissen, die Bank war auch feuerheiß.

Schon eine gute halbe Stunde später waren wir am Ziel im Dorf Jaw Jaw. Zum Glück war ich in einem der ersten, man kann den Fluss wohl auch bis zu 10 Stunden hochfahren und findet immer noch Dörfer. Die Menschen, die hier leben, sind hauptsächlich die Nachkommen der Maroons, also der entflohenen Sklaven, die sich hier vor langer Zeit am Fluss angesiedelt hatten. Ich wurde schon erwartet, von Bele, meinem Gastgeber für die nächsten zwei Tage. Er empfing mich sehr herzlich und brachte mich durchs Dorf zu meiner Hütte für die nächsten beiden Tage.
Bele, der selbst über 20 Jahre in Holland gelebt hat, hat hier mit dem „Jaw Jae A Tela“ echt was Großartiges geschaffen! Weitgehend in Eigenregie hat er ein paar sehr liebevoll gestaltete Bungalows gebaut, viele kleine Sitzecken, ein großen Dusch- und Toilettenhaus, seit dieser Woche sogar mit Spülung. Darüber hinaus ein Haus für sich, eine große Küche mit Lagerraum und einen Obst- und Gemüsegarten. Ein echtes Stückchen Paradies. Da ich der einzige Gast im Moment war, kümmerte er sich auch noch den ganzen Tag persönlich um mich.

Zunächst einmal gab es einen leckeren, mir unbekannten Saft und Bananen-Pancakes, ebenfalls sehr lecker. Nach einer ersten kleinen Runde Hängematte liefen wir dann durch den Ort und ich bekam Dorf und Bewohner zu sehen. Und meine kleine neue Freundin Fanti. Hier leben etwa 350 Menschen, etwa die Hälfte sind Kinder, allerdings sind aufgrund der Ferien viele zur Zeit in der Stadt. 

Wir liefen zum Fluss und aßen im Wasser eine Pampelmuse. Hier spielt sich das Leben ab. Die Frauen und Mädchen kommen zum Wäsche- und Geschirrwaschen, parallel wäscht man sich auch noch selbst, die Jungs angeln und alle Kinder spielen.

Dabei ist es auch völlig egal, was man anhat, ob man nun nackig oder bekleidet ins Wasser springt, scheint egal, auch die Frauen, v.a. die älteren, haben meist nur ein Stofftuch um die Hüften und damit ist man standesgemäß bekleidet.

Dann schwammen/liefen wir zur Insel, auf der ein kleines Touristenresort ist. Momentan ist das Wasser auf dem Weg zum Tiefstand, dann kann man wohl komplett durchlaufen. So mussten wir teils schwimmen, hier sind viele Steine unter Wasser und dadurch auch viele Stromschnellen und ordentlich Strömung. Gemütlich treiben lassen war da nicht!

Die Insel ist der typische Touristen-Käfig, schöne Natur außenrum, aber vom Leben der Menschen kriegen die dort nix mit! Bin ich echt froh, dass Kim mich an Bele vermittelt hat, offenbar hat er das einzige Guesthouse in seinem Stil am ganzen Fluss! Man findet es auch in keinem Reiseführer (sollte man ändern) oder bei einer Tour-Agency im Ort, nur über Facebook oder Insta. Wir liefen einmal um die Insel und setzten uns ein wenig auf die Steine. Dank meines Ocean Packs hatte es auch die Kamera heil auf die Insel geschafft und ich konnte ein paar Fotos machen. Auch wenn Bele meinte, ich könnte die Kamera völlig problemlos am Ufer lassen, hier klaut niemand. Auf dem Rückweg begann es dann ordentlich zu schiffen, aber egal, wir waren ja eh schon nass. Irgendwo musste meine rechte große Zehe dran glauben, seitlich ist sie jetzt blau und oben fehlt ein schönes Stück Nagel…

Zurück am Guesthouse gabs nen Tee aus Zitronengras und anderen hier wachsenden Sachen und ich trocknete in der Hängematte, bevor wir uns nochmal auf den Weg machten. Vorbei am Fußballplatz (ich denke Originalgröße, sogar Linien gab es), wo man sich gerade aufwärmte, und am Stromhaus (Strom gibt’s ab halb 7 bis halb 12) ging es zur Schule. 

Leider sind eben Ferien, sonst hätte ich sicher mal im Unterricht zuschauen dürfen. 

Dann noch ein Stück weiter zur Plantage vom Banana-Man. Und im Anschluss noch eine Runde durch den Ort.
Danach wurde ich wieder in die Hängematte geschickt, während Bele das Abendessen vorbereitete. Kaum lag ich drin, war ich von fünf Kids von max. 5 Jahren umringt. Die fanden meine orange Trinkflasche ganz toll, jeder wollte aus ihr trinken und ich musste sie ständig wieder neu auffüllen. Bis Bele sie nach Hause schickte, damit wir zu Abend essen konnten. Es gab fangfrischen Fisch, dazu Gemüse, Salat und was Kartoffelähnliches. Bele war beeindruckt, als ich mich an seinen Chilis versuchte und auch nochmal Nachschlag nahm.
Nach dem Abendessen saßen wir noch eine ganze Zeit zusammen und quatschten. Später kam auch noch Fanti mit ihrer Mama und ihrem Bruder. Die ist echt süß, knapp 2 Jahre alt. Bele hat ihr einen Lolli geschenkt, den musste ich dann auch immer mit essen. Am Ende war ich ungefähr genauso klebrig wie der Lolli. Gegen 11 gingen wir dann alle schlafen. Ich fiel totmüde ins Bett und bin sofort tief und fest eingeschlafen.

Montag, 2. September 2019

02.09.19 - Paramaribo, eine echt schöne Stadt


Gestern Abend lag ich noch ne Zeit lang auf dem Balkon in der Hängematte, bevor ich mich ins Bett begab. Im Zimmer wie auch draußen war es immer noch mega warm, aber das war für mich kein Grund, die AC anzuschalten. Nachts wachte ich aber schwitzend auf und beschloss, dass eine Abkühlung auf 27° vielleicht doch ganz nett sein könnte (ja, ich hab freiwillig die Klimaanlage angemacht…). Nachdem ich dann auch noch unter dem Moskitonetz lag, schlief ich richtig gut und fast bis um 8.

Dann begab ich mich erstmal wieder in die Hängematte. Gegen 10 drückte ich Kim meinen großen Beutel Dreckwäsche in die Hand und machte mich mit einer Frühstücksempfehlung auf den Weg ins Zentrum, den Reiseführer im Gepäck. Ich lief knapp 2km die Straße entlang in Richtung Zentrum und konnte unterwegs auch noch den Geocaching-Länderpunkt Surinam abhaken. Dann gabs Frühstück, leider war die Milch aus, deshalb gab’s keinen Cappuccino, dafür aber ein gutes Käsesandwich, sogar mit Vollkornbrot.

Es war gegen 12, als ich dann endlich zu meiner Sightseeing-Tour startete. Paramaribo ist echt ne tolle Stadt mit ziemlich viel, wenn auch teils etwas in die Jahre gekommenem Charme. Hier stehen ganz viele dieser alten Holzhäuser, Typ Südstaaten. 

Auch die Basilika ist komplett aus Holz. 

Echt richtig schön hier, gefällt mir viel besser als Cayenne und auch besser als die meisten brasilianischen Städte, die ich bisher mitgenommen habe, vielleicht mal abgesehen von Salvador.

Die Synagoge steht hier direkt neben der Moschee, gibt wohl nicht so viele Länder, in denen das möglich ist...
Ein echter Holländer!

Was mich schon etwas wundert, ist das, was das Auswärtige Amt hier schreibt. Ich hab da die App auf dem Handy und les halt schon immer mal, was die so empfehlen, Reisewarnungen, Sicherheitstipps, usw. Meist scheint mir das auch recht angemessen, hier aber wohl recht überzogen. Kim sagte, man ist hier schon sehr sicher, kann auch abends noch problemlos zu Fuß rum laufen und erst spätabends sollte man lieber Taxi fahren. Auch die Aussage, dass man an ATMs nicht unbedingt leicht an Geld kommt, stimmt nicht. Mein erster Eindruck bestätigt das. Ich fühlte mich hier mindestens so sicher wie in Brasilien, wenn nicht sogar sicherer. 

Es gibt deutlich weniger Obdachlose, Bettler oder verwahrlost aussehende Kinder als in den brasilianischen Städten. Auch sind die Straßen im Zentrum besser, mit Gehwegen, Fußgängerampeln, die als solche respektiert werden, und relativ sauber. Trotzdem muss ich hier echt aufpassen, da die Autos hier einfach immer aus der Richtung kommen, aus der ich sie nicht erwarte…
So tapste ich also ein ganz schönes Stück kreuz und quer durchs Zentrum, es war echt heiß und so endete ich schließlich in einem gut klimatisierten Burger King. Fast wie ein Sprung ins kühle Nass ;-) Für gerade mal 4 € bekam ich hier ein ganzes Menü. 

Nachdem ich die warme Wand danach wieder durchbrochen hatte, lief ich die Waterkant entlang, also direkt am Fluss bis zum Fort Zeelandia. Leider ist heute ja mal wieder Montag und dieses daher geschlossen… 

Schließlich endete ich wieder dort, wo die Reise heute früh begann und ich trank einen Mangosaft. Danach gings noch auf eine Bank im Palmentuin, ein schöner Park mit ganz vielen Palmen, wo ich noch etwas chillte.

Auf dem Rückweg zum Guesthouse entdeckte ich dann noch ein Lavazza-Schild und kam noch zu meinem – echt guten – Cappuccino mit ordentlich Milchschaum drauf. Dann holte ich noch – völlig problemlos – etwas Geld am Automaten. Gegen fünf war ich dann zurück am Hostel. Ich holte meine gut riechenden Wäscheberge von der Leine – auch hier fressen die Waschmaschinen Socken (oder ich hab sie verschlampt…) – und verstaute sie in zwei Rucksäcken (der kleine kommt für die nächsten drei Tage mit, der große bleibt hier). 

Dann testete ich das Stück Luxus hinter dem Haus, dort steht nämlich ein kleiner Pool ;-) Sehr erfrischend! Danach ließ ich mich im Liegestuhl trocknen und las ein bisschen.

Gegen halb sieben machte ich mich auf die Suche nach etwas Essbarem und landete unwissentlich bei einem Mexikaner. Eigentlich hatte ich Lust auf einen Salat, es gab auch drei, leider keinen vegetarischen, such den Fehler… Also endete ich bei einem vegetarischen Burrito, leider hatte sich etwas Koriander hinein verirrt, hielt sich aber zum Glück in Grenzen. Zurück im Hostel bezahlte ich die beiden Nächte und die Tour. Meine Laundry ging aufs Haus, Kim meinte, so viel war’s ja nicht und sie konnte noch andere Sachen mitwaschen, echt sehr fair ;-) Ich zahlte in einem Mischmasch aus Surinam Dollar und Euro, es leben die Währungs-App, die das für uns ausrechnete. Dann unterhielten wir uns noch ein wenig über diverse Reiseziele und die vegetarier(un)taugliche Verpflegung dort. Jetzt ist es halb zehn und ich sitze auf der Terrasse. Ist echt mal voll die Off-Season hier, gar niemand ist sonst noch hier!
So, die nächsten zwei Tage müsst ihr ohne mich auskommen, morgen früh um halb 9 geht’s mit meinem Rundum-Sorglos-Paket für drei Tage zum Upper Suriname River, dorthin, wo sich Kaiman und Piranha gute Nacht sagen. Handy und Notebook bleiben mit dem großen Rucksack hier und nur der kleine darf mit. Bis dahin!

Sonntag, 1. September 2019

01.09.19 - Surinam - Land Nummer 67 (wenn ich keines vergessen habe...)



Heute Nacht schlief ich mal wieder ziemlich gut, auch wenn ich irgendwann mal Mückenmittel auflegen musste… Gegen halb acht war ich wach, blieb aber noch etwas liegen. Dann packte ich, zog mich an und frühstückte mein restliches Camembert-Baguette von gestern, in der Hoffnung, dass Laura und Alexandre irgendwann erwachen würden. 


Nachdem sie aber um halb 11 immer noch tief und fest schliefen, schrieb ich ihnen einen Zettel und machte mich auf. Bis zum Stadtzentrum waren es fast 5km, Busse gibt’s hier gar nicht. Mir schwante also nichts Gutes, aber ich hatte Glück. Schon der erste Autofahrer erbarmte sich und nahm mich mit, brachte mich sogar exakt bis zu meinem Ziel, dem Camp de la Transportation.

Dort angekommen erfuhr ich, dass die Tour gerade gestartet wäre, aber alle Tourteilnehmer saßen noch da und warteten, also konnte ich noch mit. Meinen großen Rucksack ließ ich im Eingangsbereich zurück. Leider waren alle anderen Franzosen und die Tour somit auch nur auf Französisch. 

Aber der Guide sprach ganz untypisch, sehr langsam, so dass ich doch recht viel mitbekam. Das Camp wurde in Napoleons Zeiten gegründet und blieb bis nach dem 2. Weltkrieg bestehen. Es wurde genutzt, um unliebsame Zeitgenossen aus Frankreich aus dem Weg zu räumen. Die mussten dort meist bis zu ihrem Lebensende (was so lange nicht gedauert haben kann) Zwangsarbeit leisten. 


Es gab Einzelzellen und welche, in denen bis zu 60 Gefangene dicht an dicht nebeneinander angekettet lagen. Bekanntester Insasse war Papillon. In Zelle 47 ist sein Name in den Boden geritzt. Ob er das war oder jemand das später gemacht hat, ist unbekannt…

Gegen halb 1 war die Tour zu Ende, ich holte meinen großen Rucksack und machte mich 2km auf den Weg zum Hafen und dem Immigration Office. Dort lief alles völlig unkompliziert. Ich wurde nur gefragt, wo ich den vorher war, da ich ja keinen Einreisestempel hatte, dann kam ein Ausreisestempel in den Pass und ich durfte weiter zu den kleinen Booten, mit denen man den Fluss überquert. Dort traf ich auf einen Einheimischen, der mich nach meinem Ziel fragte und mir dann gleich ein Sammeltaxi klar machte. Wir fuhren über den Fluss und wurden drüben schon von Claudia, meiner Fahrerin empfangen.


Gemeinsam gingen wir durch die Einreisestelle hier, ich musste noch den obligatorischen Fragebogen einiger Länder ausfüllen, dann gab’s den Stempel für mein 67. Land in den Pass. Surinam! Das erste echte neue Land auf dieser Reise. Wir luden meinen Rucksack in den Van und schon ging die Fahrt los. Claudia meinte, da Sonntag ist, ist nix los und es lohnt sich nicht auf andere Fahrgäste zu warten. Sollte mir recht sein. Die Fahrt ging zwei Stunden durch grün, es sah genauso aus wie in Französisch Guyana. Kurz vor der Hauptstadt Paramaribo hielten wir an einer Wechselstube. Der Umtauschkurs war echt fair, ich bekam genau das, was meine Währungsapp sagt!
Weiter ging die Fahrt und kurz vor vier waren wir an meinem Ziel, dem B&B Farimi etwas nördlich vom Zentrum. Auf den ersten Blick ein echt tolles Hostel. Empfangen wurde ich von der holländischen jungen Chefin Kim, die mir ohne irgendeinen Bürokratiemist wie Pass oder Geld das Hostel und mein Zimmer zeigte. Statt 4 Betten stehen gleich nur zwei drin und eines ist leer. Damit kann die AC wieder aus bleiben, juhu! Alles hier ist sehr weitläufig und super gemütlich, eine große Terrasse mit bequemen Stühlen, Hängematten auf dem Balkon und ganz viel Pflanzen überall. Europäische Leitung sag ich nur und jemand, der selbst gerne und viel reist…

Ich zog mich um, dann entdeckte ich Kims Informationsecke über diverse Touren. Sie brachte mich von meinem ursprünglichen Plan ab und empfahl mir etwas anderes, eine Tour zum Upper Suriname River in eine Gegend, frei von Internet- und Handyempfang, in der die Nachkommen der Maroons leben. Das sind die von ihren Plantagen entflohenen Sklaven, die sich dort angesiedelt hatten. Kim empfahl mir eine Art Lodge, die sehr nah an den Einheimischen dran ist, wo man nicht irgendwie abgeschottet als Touri ist. Während sie alles klar machte, machte ich mich auf zu einem sehr frühen Abendessen – ich hatte echt Hunger, gab ja nix seit dem Brot heute früh…
Auf Empfehlung landete ich eine Straße weiter bei einem Inder, da kann ich ja nie was falsch machen. Die Karte war holländisch, aber mein Hindu ist zumindest für Speisekarten absolut ausreichend, dass mir der Name der Gerichte reicht ohne Erklärung dazu ;-) Es gab vegetarische Samosa und Paneer Masala (dieser indische Käse in Soße) mit Naan Brot. Lecker und angenehm scharf (ich hab „Spicy, but not indian-spicy“ bestellt), wenn auch nicht ganz so gut wie im Goa. Dafür zahlte ich für alles zusammen nicht mal 12€. Die Preise sind hier wieder südamerikanisch fair, wenn auch noch etwas teurer als in Brasilien. Während ich wartete und aß, las ich den Reiseführer, der im Hostel lag, Bradt, noch nie gehört, aber echt gut strukturiert und informativ (gerade auf Amazon geschaut, den gibt’s in sau vielen Ländern, wo es keine Lonely Planet gibt, sollte ich mir merken, auch als Kindle-Edition). Was Kim mir da empfohlen hat, klingt jedenfalls echt klasse, freu mich voll drauf!
Frisch gestärkt drehte ich noch eine kleine Runde, kaufte zwei Dosen Parbo-Bier und trank noch einen Cappuccino (Besser als in Belem, nicht so gut wie in Cayenne, aber es war ein echter). Dann, gegen halb 7, lief ich zurück zum Hostel. Kim bestätigte mir, dass ich übermorgen zum Upper Suriname River fahren kann. Man kann das auch auf eigene Faust machen, aber bisschen Touri spielen schadet auch nicht, jetzt hab ich das komplette Paket mit Bus, Boot und Vollpension, kostet 150€ für drei Tage, da kann man jetzt nicht meckern!
Ich duschte, gönnte mir eine Ladung Deet (langsam verwende ich das wie andere Leute Bodylotion) und setzte mich auf die Terrasse an den großen Frühstücks(?)Tisch. Der Blog von gestern ist online, der von heute dann auch gleich, außerdem hab ich noch wenig Bewertungen geschrieben und sonst das Internet genutzt. Viel mehr wird heute auch nicht mehr passieren. Morgen mach ich hier einen entspannten Sightseeing-Tag, hoffentlich darf ich den Reiseführer mitnehmen, der hat quasi die fertige Route…

Ach ja, da hab ich doch noch was vergessen: Surinam war ja mal holländische Kolonie, also ist das hier die Amtssprache, aber jeder kann englisch. Man fährt links (von wegen, die Death Road in Bolivien wäre die einzige Straße Südamerikas mit Linksverkehr) und was absolut erschreckend ist: die haben gelbe Nummernschilder! Echte Holländer! Hab nur noch keinen Wohnwagen gesehen...

31.08.19 - Weiter Richtung Westen



Gestern Abend tranken wir noch ein Bier auf der Terrasse, dann musste ich mich von Martine verabschieden, weil sie heut schon früh zur Arbeit musste. Dann las ich noch etwas, bevor ich um halb 11 etwas das Kindle ausschaltete. Ich schlief ganz gut, dieses Mal hatte ich die Grenzen meines Moskitonetzes im Blick, dafür hat sich so ein Mistvieh hineinverirrt… Immerhin, im Netz findet man die schnell.
Früh war ich kurz vor 7 wach. Ich machte mich ganz gemütlich fertig und packte schon mal weitgehend ein. Um acht fuhr ich mit Gerald und der Hundedame ein Stückchen weiter an einen völlig menschenleeren, kilometerlangen Strand. Mit offenen Fenstern, ohne AC! Abgesehen von der Länge ähnlich dem in Cayenne. Hier gehen die zwei wohl jeden Morgen spazieren. Ich ging vielleicht die Hälfte der Strecke mit, dann machte ich einen kleinen Badestopp. Gar nicht so leicht, dem Hund klar zu machen, dass er noch weiter laufen soll und nicht mit mir im Wasser spielen…


Nach dem Bad legte ich mich zum Trocknen in die Sonne und las etwas bis die beiden zurückkamen. Wir liefen zurück zum Auto und fuhren zurück nach Cayenne. Was mir hier echt negativ auffällt, ist der ganze Müll, der hier überall rum liegt. Gar nicht wie im größten Teil Brasiliens. Am schlimmsten ist aber, dass man sein Auto anscheinend entsorgt, indem man es einfach irgendwo in einem Seitenweg in den Wald schiebt oder ne Böschung runter schubst. Überall stehen dann solche Gerippe, teils auch komplett verkohlt und verrostet und oft auch schon völlig zugewachsen.
Zurück in Cayenne kauften wir noch Baguette und zwei Croissants, die wir uns gleich schmecken ließen. Wieder im Haus wurde ich noch zu einem Bier gedrängt (es war gerade mal 11). Dann saßen wir noch weng auf der Terrasse, ich schaute mal, was ich die nächsten Tage so machen könnte. Gegen 1 duschte ich, dann fuhr mich Gerald zum Treffpunkt mit meiner Fahrerin. Das ist hier nicht Blablacar, aber so etwas Ähnliches. Der Abschied fiel mir echt schwer, Martine und Gerald waren echt ganz tolle Gastgeber, es fühlte sich mehr nach Freunden an als nach etwas Gebuchtem.



Um zwei ging die Fahrt mit insg. 4 Mädels im Auto los. Es ging eigentlich nur durch grün, aus dem Fenster schauen war fast langweilig. Zum Glück war die AC eher von der schwachen Sorte und ich brauchte nicht mal einen Pulli ;-)
Celia fuhr nen flotten Reifen und so waren wir schon kurz nach halb 5 in St. Laurent. Nach etwas Suche hatten wir meine Unterkunft gefunden und ich konnte mein Zimmer beziehen. Laura und Alexandre sind beide Ende 20 und seit einem Jahr in Guyana. Geht in Frankreich halt mal ganz einfach, ist ja quasi nur ein anderes Bundesland. Danke, liebes Deutschland, wieso hast du bloß Zanzibar gegen Helgoland eingetauscht?!? Mein Zimmer hier ist etwas mehr Basic, aber für meine Zwecke voll und ganz ausreichend.


Gegen halb 6 brachen die beiden zum Fluss auf und fragten mich, ob ich mitkomme. Klar. Dort trafen sie noch zwei Freunde, wir plantschten etwas, tranken ein Bier und unterhielten uns (ok, ich eher weniger, ich versuchte ansatzweise zu verstehen, worum es geht…) Um halb acht fuhren wir zurück und kauften noch was zu essen ein. Zurück im Haus kuschelte ich etwas mit der Katze und sprang unter die Dusche.
Danach kamen die gleichen Freunde wieder und wir grillten zusammen auf der Terrasse. Es wurde ein echt netter Abend, auch wenn es ganz schön anstrengend war, bei der Unterhaltung was zu verstehen. Die vier sind dann noch auf eine Party gegangen, aber mir hat es die Augen zugezogen, bei so viel Französisch rauchte mir echt der Schädel. By the way, eines würde mich echt mal interessieren: Auf der ganzen Welt lernen Kinder in der Schule Englisch (oder zumindest Spanisch). Egal ob in Vietnam oder Tansania, überall bleiben ein paar Brocken hängen. Warum, zum Teufel, schaffen die Franzosen das nicht??? Kann mir mal einer das französische Schulsystem erklären, das kann doch echt nicht wahr sein in der heutigen Zeit!
Naja, ich kuschelte noch etwas mit der Katze und machte um 11 oder so das Licht aus.